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Logik und Kokain

Fridas Windpocken sind für Frida völlig klar, bei Wind, immer noch viel und stetig mehr, bekommt man Wind-Pocken.

Mir sind Fridas Windpocken auch völlig klar - so perfekt getimed und unproblematisch im Verlauf können es nur Schweizer Windpocken sein. 

Von den Vorurteilen zu den Nationalitäten. Mastmitte Steuerbord ist die Gastlandflagge. Bahams, klar. Hinten ist das Registrierungsland des Schiffes. Auch kein Problem. Mastmitte backbord ist die Crew. Aber was hissen wir denn eigentlich? Österreich? Haben wir nicht in klein. Schweiz? Haben wir auch nicht. Das mag vor allem daran liegen, dass wir diese Ländern niemals auf dem Seeweg bereisen werden und wir die entsprechenden Fahnen nur von denjenigen Ländern haben, in denen wir entweder schon waren oder eben noch hinfahren wollen. Deutsche Fahne - hm, ja, haben wir. Sogar in ziemlich groß. Aber? Naja, meine vier Kinder sind zumindest halb deutsch, ich sogar ganz, eigentlich dürfte ja nichts dagegen sprechen, dieses Schwarz-Rot-Gelb aufzuhängen, es spricht aber meine Kindheit, meine Erziehung, meine vorbelastete Bildung. Laut und deutlich spricht sie. Ich bringe es einfach nicht über mich, eine deutsche Fahne zu hissen! 

Wie las ich neulich in der Zeit? Der ehemalige griechische Finanzminister wurde zitiert: „Der einzige Mensch, der mich derzeit stolz sein lässt Europäer zu sein ist Angela Merkel“.  D.h. ich werde wohl einfach eine EU-Fahne kaufen, das ist sicherlich die beste Lösung.

Wir haben heute in Norman’s Cay geankert. Gut geschützt bei 26 kts. Wind auf der Leeseite, doch vorab sind wir mit unseren Kindern hineingefahren in die Bucht, um ihnen das Flugzeug zu zeigen, welches seit den 80er Jahren als schweigender Zeuge im Wasser liegt. Es ist eines der wenigen Erinnerungsstücke an die sehr aktive Zeit des Kokainhandels hier auf den Bahamas, welcher die vielen versteckten Inseln - Normans Cay hat übrigens einen eigenen Miniflughafen - zu nutzen wusste. Hier wohnte ein Carlos Lehder, der mit ausreichend Geld und Kontakten in den frühen Achtzigern den Kokainhandel zwischen Columbien und den USA ausbaute. Ihm gehörte nicht nur ein Großteil der Insel sondern wohl auch ganze Teile des Landes, wie die nicht-stattgefundenen Verurteilungen und fehlenden polizeilichen Handlungen auch nach den großen Razzien nahelegen.

Ein schwieriges Thema für unsere Kinder - wenn auch faszinierend. Was ist Kokain, warum verwendet man es, was genau ist damals passiert? So viele Fragen, die wir beim Abendessen in einem überraschend luxuriösen - und völlig einsamen - Restaurant auf der Insel besprechen mussten. Mir fallen sofort die „Narco“-Serien ein, „Zero, Zero, Zero“ und „Maria llena de Gracia" - in welchen Häppchen kann ich den Kindern diese Informationen servieren, die sie schlucken können ohne in ihnen Schaden anzurichten?

Übrigens ist auch der Flughafen noch überraschend hoch frequentiert.

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