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Two is a party, three is a crowd

Eins ist ein Muss, „Man muss ja alles mal probieren, ne?“, zwei sind vernünftig, „dann haben sie wenigstens sich…!“, drei ist ein Statement, „Familie ist wichtig für mich!“ und vier?

Eine Masse? Ein Rudel? 

Auf dem Flughafen werden wir dezent durch die Disability-Lane gescheucht, neben Saudi arabischen Harems und südanatolischen Großfamilien, betrachtet mit einer Mischung aus Horror und Mitleid. Die Mitreisenden murmeln unzufrieden über ihr Schicksal, den Langstreckenflug mit uns teilen zu müssen. In Österreich werden wir bestenfalls als wahre Katholiken oder alternativ als feiste Sozialschmarotzer verschrien, in der Schweiz bestenfalls als gewagt, schlechtestenfalls als angeberisch jedenfalls aber als unvernünftig abgetan. Im Valentinstagslokal werden wir verbannt, in der Wohnung dürfen wir uns nur schleichend bewegen, in normale Autos passen wir nicht, wir sind schmutzig, laut, ansteckend, und zum Essen kann man uns schon lange nicht mehr einladen, da die meisten Tische nur sechs Leute fassen, unserer eingeschlossen.

Mit vier Kindern ist man ein Verhütungsversager - „Das muss doch heutzutage wirklich nicht mehr sein“, ein kosmischer CO2-Abdruckverursacher, ein Überbevölkerungsbefürworter. Ein Emanzipationsverräter, ein potentieller Hartz vier Empfänger, eine Zumutung für sein Umfeld (findet mal eine Mietwohnung mit vier Kindern!).

Vielleicht gefällt es uns deshalb an Bord so gut. Unser Mikrokosmos, in dem andere Regeln herrschen, der Lärm, der vom Winde verweht wird, die Kinder, die größtenteils nackt rumlaufen, fangen um das Cockpit spielen, vom Heck arschbomben, Genitalien vergleichen, um die Wette exkrementieren. Und nie kommt der Ruf: Hör auf, lass das, sei still! Nautische Imperative werden hier nur für Segelmanöver verwendet, die Regeln an Bord sind einfach und nachvollziehbar: Sicherheit hat höchste Priorität; das Schiff, auf dem wir wohnen, muss geschont werden. Kann sich jeder merken, muss keiner widersprechen. 

Ankerplatz Shroud’s Cay: Mit dem Beiboot fahren wir durch enge Mangrovenkanäle, sehen Schildkröten, Babyrochen, Eidechsen, Reiher, Muscheln. Wir tuckern langsam hindurch und landen schließlich an der Schwelle zum Sound, der anderen Seite der Insel, die in den offenen Atlantik mündet und uns mit einem Farb- und Wellenspiel überrascht, dass allen der Atem stockt. Der Strand ist Pulversand mit Felsmonumenten, die Kinder spielen, ein Haufen, der sich verteilt, alles einnimmt. In kürzester Zeit werden Korallen gefunden, Länder erobert, Wellen geritten, Zeltplätze eröffnet, Eidechsen gejagt und ganze Zuchtställe angelegt. 

Wir liegen nur da und schauen zu, freuen uns an dem Leben, der Begeisterung, den Möglichkeiten. Es ist schön, viele Kinder zu haben und noch schöner, ihnen und uns diese Augenblicke ermöglichen zu können. Stören tun wir hier niemanden.

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