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Hippie Pond

Zwei spitze Felsen und dazwischen eine enge Fahrrinne, in der Peter problemlos stehen kann. Hinter uns Wind, Wellen und offener Atlantik, vor uns ein riesen Salzwassersee, ruhig, sicher, türkisblau. Was braucht es mehr für ein kleines Abenteuer? Es rüttelt, rattert, schaukelt und wir würden doch so gerne mal ruhig schlafen. 
Wenn ein Boot strandet, ist es ähnlich einem Wal, zwar erstickt es nicht, aber alleine raus kommt es auch nicht mehr. 
Wir sinnieren über unseren Drinks (Süßwasser ist leider fast alle, das müssen wir also den Kindern lassen) und dann taucht am Horizont ein Boot auf. Ein selbstgebauter Wharrem Katamaran, Tiefgang ca. 40 cm., an Bord fünf Erwachsene, zwei Babys, ein Hund - sie fahren unter Segel durch die Einfahrt, arschcool, das muss man einfach sagen, und wir? Hinterher. 
Es ist schon gruselig, wenn man am Boden jeden Seegrashalm erkennt, jede Muschel. Ein Hügel, ein verschobener Stein, ein missgelaunter Hammerhai und schon würden wir auf Grund liegen. Das Schiff hin, wir schlecht gelaunt und von ruhig Schlafen keine Rede.
Doch wer nicht wagt, hat schon verloren, also Augen zu und durch.

Wir brachten den coolen Kollegen dann ein frisch gebackenes Brot und so wurden wir Freunde. Eine Aussteigerfamilie mit Freunden aus New York, jung, ideologisch, offen. Wie passend, da Noa gerade für ihren Englischunterricht ein Lied vorbereiten muss. Sie und ihr Partner wählten „Another Brick in the Wall“. Wir diskutierten also Zeit und Umfeld, Veränderungen und Ziele - ich konnte munter beitragen, wuchs ich doch in einer Hippiekommune auf, wenn auch meine Eltern dies nach wie vor leugnen und mehr von einer progressiv-intellektuellen Hausgemeinschaft sprechen. Doch wie man es auch formuliert, in Sachen Bildung und Thought-Control kenne ich mich aus. Revolution von innen, antiautoritär, alles ein bisschen unkonventionell - aber bei engen Durchfahrten und Denkmustern hilft das ja manchmal.


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