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Anreise und Ankunft - Fragen ohne Antwort

Anfangs herrscht immer die große Verwirrung

Seit gut 24 Stunden (es ist jetzt 22:00 Ortszeit) sind wir nun mit unserem Umzugsgut - immer noch knapp 200 kg -  und den Kindern zwischen Flugzeugen und diversen Staatsdienern unterwegs. An Übergewicht und Zoll haben wir mittlerweile schon die gleiche Summe wie für die Flugtickets insgesamt bezahlt. Dennoch werden wir von einem guten Stern begleitet. Die Menschen sind nett zu uns. Auch wenn wir mit unseren sieben Rucksäcken, der Gitarre und Flecki, dem 1-Meter Kuschelpferd von Frida, mal wieder viel zu lange den Security-Check verstopfen. Auch wenn wir am Zoll zwei Stunden stehen und die auf dem Boden schlafenden Kinder alle Wege ungangbar machen. Auch wenn wir mit allem Gepäck, den Kindern und den nötigsten Lebensmitteln in ein Mietauto der kleineren Bauart steigen und entsprechend stapeln müssen, sehr zum Amüsement aller umstehenden Taxifahrer und Hertz-Mitarbeiter;  alle sind nett und lachen über und mit uns. Wildfremde Menschen versuchen zu helfen, zu unterstützen und finden uns erfrischend anders. Mit den  Zollbeamten gehen wir lachend die Schulbücher der Kinder durch, die die Koffer so schwer machten; selbst die Kinder halten durch, sind strahlend und voller Freude.

Ich hingegen hatte im Flugzeug mal ganz kurz die große Panik. Als ich die Custom-Declaration für Miami ausfüllen musste, kam die Frage nach dem derzeitigen Wohnort auf. Da wurde mir flau im Magen und es fühlte sich kurzfristig nach freiem Fall an. Wo zur Hölle wohne ich den gerade? Auf dem Meer? Im Schiff? Nirgendwo? Dringend wünschte ich mir einen hysterischen Anfall eines Mitreisenden oder meiner Kinder herbei, weil ich dann wieder ruhig hätte werden können und friedlich Probleme anderer lösen. Nur wenn alles ruhig ist, bekomme ich die Flatter.

Und dann sind wir da. Da Schiff schaukelt wie gewohnt vor sich hin und schon beim Betreten bemerke ich meinen Fehler: Es ist zu wenig Platz! Es ist jetzt schon voll und unsere Sachen sind noch im Auto. Wie wird das morgen aussehen? Oder in einigen Monaten? Trotzdem ist es ein Zuhause. Ein gutes Zuhause und das spüre ich vom ersten Moment an. Es braucht keine Eingewöhnungszeit. Nicht im karibischen Leben, wo alles möglich, alles chaotisch und absolut langsam ist. Nicht im Schiffsleben, wo alles kompliziert und eben viel zu klein ist. Nicht familienintern, weil jeder von uns weiß, wie das Leben hier aussieht.

Bald beginnen die Kinder dennoch mit den Fragen: Während wir mit acht Koffern, einem Fenster, einer Gitarre, drei Kindern und sieben Rucksäcken in einem Kleinwagen bei Linksverkehr Handy telefonierend die Marina suchen, kommt ein zartes Stimmchen vom Fußraum der Rückbank: Und wenn uns jetzt die Polizei anhält? Da fährt sie schon vorbei, die Polizei, grüßt freundlich, plaudert kurz und empfiehlt uns ein noch offenes Diner, wo wir wieder staunen dürfen, wie grauslich Rice and Peas (Bohnen) mit Lokal Island Bird und Maccaroniauflauf schmecken. Doch selbst dieser Geschmack ist irgendwie heimisch und deshalb herrlich erwünscht. Dazu noch ein Kalik - und jetzt werde auch ich gut schlafen!

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