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Vom Chaos zur Ordnung

Das Chaos lichtet sich, Struktur und Alltag kehren ein

Langsam taucht Struktur auf. Im Schiff und auch in unserem Leben auf dem Schiff. Wer nun denkt, das Leben auf dem Schiff sei geprägt von Gefahren und Abenteuer, der irrt. Die größten Gefahren, mit denen wir derzeit kämpfen, sind Sonne - und wir müssen die Kinder über mittags wörtlich einsperren, da sie sonst nicht zu halten wären, Mücken in der Nacht - zum Glück haben wir in Mückenschutzkleidung investiert, die sich wirklich bezahlt macht, und übergesprächige US -amerikanische Rentner, in deren Ferienparadies wir hier versehentlich gelandet sind. Schon um 11 Uhr vormittags werden wir zu Valentinstag-Dinghy-Fahrten eingeladen - eine einzige Ausrede um baldmöglichst viel Bier und Rum zu trinken - weiter geht es mit der Pool-Party um 16:30, wo schon die ersten stürzen und sich blutende Platzwunden zuziehen, um dann gegen 19:00 in Karaoke-Singing zu münden. Zwischendurch, wenn wir versuchen gemütlich am Mittag zu grillen, blazt schon wieder ein Senior von seinem Balkon runter, ob wir tatsächlich aus Deutschland/Schweiz/Österreich, also irgendwie Europe halt, kämen und ob wir aber bitte ich mit unseren Kindern Englisch sprechen würden. Wenn wir dies freundlich verneinen, wird nochmal nachgebohrt: Aber übers Segelschiff und das Segeln, da würden wir ja wohl sicher ins Englische wechseln. Nein, nein, tatsächlich gebe es die Begriffe auch alle im Deutschen, worauf er sich fassungslos abwendet. Doch der nächste, der diesen Austausch verfolgt hat, fragt weiter: Echt? Wie heißt denn daggerboard auf deutsch? Hm? Und bowsprit? Wir lösen das Rätsel und schließen die Tür, im Versuche diesen überschwänglichen Menschen zu entkommen, die zwar extrem freundlich, aber vollkommen gelangweilt sind. Eine nette Abwechslung dazu ist die kanadisch-deutsche Nachbarin hinter uns aus Uelzen, die zwar nicht weniger gelangweilt ist, uns aber nicht als ganz so exotisch einstuft, wie die anderen. 

Dazwischen schwimmen wir viel, reparieren das Schiff - wie immer - und genießen das Leben ohne Kalender, Uhr, Zeitdruck und Termine in vollen Zügen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Isabelle Vogt (Samstag, 18 Februar 2017 12:15)

    Liebe Franziska und Frida, lieber Peter, Nico und Pius
    Ganz herzlichen Dank für die unterhaltsamen Berichte, die ich gespannt verfolge und uns euer Abenteuer fast hautnah miterleben lassen! Liebe Grüsse von der Ottikerstrasse Isabelle & Co. :))