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Kinder auf Reisen

Sorgenfreies Dasein mit Kinder umgeben von Wasser und Haien

Unsere Nachbarn haben Niko heute mitgenommen zum nahegelegenen Riff, um dort zu tauchen. Als ihre Ankerleine riss, konnte Niko für sie den Anker auftauchen und das Dinghy einfangen. Niko hatte einen wundervollen Vormittag. Sie haben ihn sich geliehen, da selbst kinderlos. Frida verbrachte den Morgen in ihrer Kabine, da sie determiniert ist, möglichst bald Lesen und Schreiben zu lernen. Sie übt und übt und übt. In ihrer Freizeit übt sie Schwimmen und Tauchen. Pius hat einen Kanadier gefunden, Tom, mit dem er stundenlang angelt. Sie fahren alleine mit dem Dinghy in der Marina rum und fischen. Sprechen muss man da wohl nicht viel. Nur: Let’s go fishing. Ok! oder so. Es ist aber auch nicht wichtig was und wie sie sprechen. Sie dürfen hier einfach sein. Völlig frei. Wenn sie hungrig sind, kommen sie mal kurz vorbei. Es ist so, wie ein Kinderleben sein sollte. Und ein Mutterleben. Denn endlich stehen die Kinder nicht ständig zwischen Eltern und gesellschaftlichen Anforderungen. Endlich muss man die Kinder nicht wegorganisieren, um die täglichen Pflichten zu erfüllen. Kochen, waschen, backen, putzen, reparieren - da machen sie mit. Wenn sie eben da sind. Sonst nicht. Und all das kann man immer verschieben. Dann liest man eben zum siebten Mal Hänsel und Gretel vor und gruselt sich ordentlich vor der bösen Hexe, bevor man die Tauchsachen vom Salzwasser befreit. Da isst man noch schnell einen Cupcake bevor man die Bilgepumpe wieder einklebt. Und man hat kein schlechtes Gewissen, keinen Stress, keine Arbeiten, die sich noch bis zum Abend anstauen, um in der Nacht erledigt zu werden. Und wenn doch noch ein Text zu übersetzen ist, eine Rechnung zu bezahlen, eine Mail zu schreiben, dann sind die Kinder deutlich nachsichtiger. Und wenn es zwei Stunden dauert, dann spielen sie eben allein oder miteinander oder mit neuen Freunden. Oder mit der Bubbles-Pumpe vom Hot-Pot. Oder sie rutschen vom Dach. Reiten die Fender, pinkeln vom Trampolin. Dazu kommt kein Duschen, kein Haarewaschen, kein Kämmen. Kein schnell-noch-Anziehen. Warm anziehen, Jacke, Mütze, Schal - nicht mal Schuhe. Vermutlich ist das Boot der einzige Ort, wo Elternsein stressfrei funktioniert. Wahrscheinlich sind wir deshalb unterwegs. Next Stop: Bimini.

Und ja, wir wissen ob unseres Privilegs.

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