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1. Überfahrt

Wieder auf See - adieu Ocean Reef Marina, Freeport, Grand Bahamas

Hat irgendwer mal behauptet, Segeln sei Urlaub? 

Erst jetzt habe ich wieder etwas Energie gesammelt und kann meinen gestrigen Eindrücken ein paar Verben und Adjektive hinzufügen:

Die erste Überfahrt ist gut überstanden. 11 Stunden. Wenig Wind. Neues Segel. Ergo Unsicherheit: hält wohl der Bugsprit? Autopilot neu kalibriert, viele Wellen, zum Teil hoch. Mehrfach Meerwasser geduscht. 

Um 7:34 Uhr war Hochwasser und wir mussten pünktlich die Marina verlassen, da die Einfahrtsrinne von Sandbänken gesäumt ist und das Wasser eher flach. Winkend und helfend standen Marianne aus Uelzen und Imker George aus Ontario am Steg, Karl aus Berlin mit deiner Frau aus der Lüneburger Heide, seit 55 Jahren in Kanada lebend. Geholfen hat auch Peters Freund Tuffy, der 16jährig aus Wales als blinder Passagier auf ein Schiff aufsprang, in Montreal mit 14 $ ausstieg und es mit einer schrägen Erfindung für Trucks zu einem anschaulichen Vermögen brachte. Peter und er saßen viele Stunden in unserem Cockpit und rätselten über mögliche Beschattungskonstruktionen. Er fuhr mit seinem Beiboot voraus, um uns den besten Weg zu suchen. Noch einmal winken und dann los.

Was machen Kinder 11 Stunden ohne Bücher, Filme, Bewegung, Essen? Doch Segeln ist Segeln. Kommt damit klar, ein Zurück gibt es nicht. Schlafen, singen, etwas naschen. Angeln. Der erste 1,2 m Barrakuda rettet die Stimmung. Und die vielen Geschichten! Dort auf der Insel spukt jeden Tag vor Vollmond die Grey Lady und sucht ihr Kind. Kein Leuchtturmwärter hat es je länger als 29 Tage ausgehalten. / Seht ihr die Drogenbojen, die von den Flugzeugen abgeworfen werden und von den Fischern aufgesammelt? / Wisst ihr noch, wie …, / und dann der Schrei: Land in Sicht!! Alle werden aufgeregt, erste Eindrücke gebildet, zerstörte Häuser durch Matthew identifiziert. Schiffswracks geortet. Eine schmale Einfahrtsschneise in ein Hurricane Hole. Umgeben von rostigen Wracks, kreisenden Pelikanen, hungrigen Haien. Und es erfüllt einen wieder diese tiefe Stille. Ja, geschafft. Herrlich, auf diesem Wege neue Welten zu entdecken. Pius spricht von seinem Paradies! So viele Wracks - morgen gehen wir auf Entdeckertour. Die Sonne sinkt, die Stimmung wird pastellfarben. Ruhe kehrt ein. Wir werden gut schlafen, wenn der Anker hält, wenn wir nicht auf Grund stoßen, wenn nicht so viele Mücken sind….

Morgen Pause?

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