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America Inside

Unsere Reise durch das an Attraktionen völlig überladene Florida auf Landwegen. 

Aha. Samstag: Universal Studios - warum eigentlich? Sowohl wir als auch die Kinder waren komplett überfordert mit diesem Überangebot an Unterhaltung. Die 3 und 4D Shows verursachten nur Schwindel und waren ausschließlich mit geschlossenen Augen zu ertragen  - und auch dann nur schwer. Ohrenstöpsel wäre sicher besser dazu gewesen. Es war laut, heiß, voll und grell. Wir kannten keine der herumlaufenden Figuren, auf die sich alle anderen stürzten um ein Foto zu machen. Wir kannten keine Kulisse, keine Absonderheit. Doch die anderen, das waren ja wir! Alle waren glücklich, begeistert, verkleidet und hatten den besten Tag ihres Lebens oder so. Auch die Kinder waren schließlich begeistert. Ausreichend Adrenalin in der dreifach Looping Achterbahn ließ sie strahlen, die Energie dafür gab der Zucker in all den Candy-Shops. Die Donuts sind so groß wie Autoreifen und außer Hamburger und Pommes kann man hier leider nichts essen. Dazu Cola - refill all day. Es ist eine Persiflage auf den Stereotypen Amerikaner, es ist so wahr, dass man beginnt an alternative facts zu glauben. Alles so real und doch so konstruiert. Wo beginnt die Realität, wo hört sie auf und wer wagt das eigentlich noch einzuteilen und zu unterscheiden?

Frida ist gleich am Morgen im Hotel verloren gegangen. Nach 20 schockschweren Minuten und umgeben von 18 Security Männern, haben wir sie relativ gelassen an der Rezeption zurückerhalten, geschmückt mit einer grünen Perlenkette und rosa Aufklebern. Sie konstatierte relativ sachlich, dass wenn sie das nächste Mal verloren ginge, sie wohl möglicherweise eine rosa Kette bekäme. 

Das nächste Erlebnis mit Frida war im heutigen Wasserrutschenpark, mit der zweithöchsten und zweitschnellsten Rutsche der Welt - ja, höher, weiter, schneller - und ein Wächter kam, um Frida mitzuteilen, dass sie doch bitte zu ihrer Badehose noch ein Shirt anziehen solle. Ich war etwas verwirrt und fragte ihn dann freundlich, ob ihre massive tits ihn denn so dermaßen verunsichern würden - er stammelte etwas von On Site Policy und verschwand dann wieder. Seither trägt Frida auf stolz gereckter Brust einen „BH“ und freut sich an ihrer neu an Wert gewonnenen Vorderseite.

Niko setzt alles daran, Englisch zu lernen. Er findet es die wichtigste Sprache der Welt und übt wie ein Wahnsinniger. Sein größter Stolz war kürzlich alleine per Funk das Shuttleboot der Marina zu bestellen. Er hat den Satz so oft geübt, dass er ihn wahrscheinlich noch mit 70 fehlerfrei sprechen kann. Aber es ist pünktlich gekommen.

Pius schwankt zwischen groß und klein, zwischen Niko und Frida, mal völlig verspielt, mal groß und vernünftig. Er ist eigentlich immer glücklich, der Motor zwischen den beiden anderen und als strahlende kleine Eidechse unkompliziert wie immer. Er spricht versehentlich schon ziemlich gut Englisch, verträgt das fettige Essen von uns allen am besten und freut sich diebisch auf jeden neuen Tag. 

Peter und ich beginnen so langsam unsere Weiterfahrt zu planen. Kommt nach Kuba Jamaica oder Mexiko? Welche Inseln liegen zwischen Jamaika und Panama? Wollen wir nach Venezuela und nochmals auf die kleinen Antillen? Belize? Honduras? Nicaragua? Wie ist der Wind, wie entwickelt sich das Wetter? Wo ist es gefährlich? Wo so schön, dass man es keinesfalls verpassen sollte? Wir messen Strecken, eruieren Winde, studieren Fotos. Wir kennen Google Maps schon bald auswendig und freuen uns an seiner Existenz. 

Morgen geht es weiter mit Disney World Animal Kingdom und gleichzeitig fragen wir uns, ob das gut ist, was wir hier tun, ob es sinnvoll ist. Bisher waren unsere Kinder Stunden und Tage mit ihren 10 m2 Netz und einem Fender auf dem Vorschiff glücklich. Sie haben gespielt und gespielt und wir mussten sie in der Dunkelheit ins Cockpit locken - sonst wären sie wohl die ganze Nacht draußen geblieben. Jetzt stopfen wir sie plötzlich mit Eindrücken und Überangeboten voll - werden sie - zurück auf dem Schiff - noch zufrieden sein? 

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