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Brot und Spiele

Ob Themen Parks oder Cocoa Beach Pier - Kinder lieben Florida. Und wir lieben die vielen Marine Shops und Supermärkte. Philocat Ena wird wieder wie neu  - und das mit gut 5000 Meilen auf dem Buckel!

Hier im Norden Floridas, in und um Orlando, erhält man den Eindruck, dass das nordamerikanische Volk, wie bei den alten Römern, mit Brot und Spielen - oder Fett und visuellen Illusionen - wohlgenährt und zufrieden gehalten wird. Viele bewegen sich nur noch auf so Mini-Elektrofahrzeugen fort, die man sich überall mieten kann. Den Rest fährt man mit dem Auto. Überall gibt es „free refill all day“ und „dine all day“- Tickets, womit man zu einem Fixpreis unendlich viel Fastfood in sich rein stopfen kann. Viele Menschen sind überdurchschnittlich adipös und wenn man sich ihnen in den Weg stellt, dann hupen sie laut und ungehalten und reißen sich grad um die nächste Unterhaltungseinheit. Ist man erst pausenlos entertained, muss man sich nicht mehr mit Politik oder sonstigen gesellschaftlichen Absonderheiten befassen. Diesen Eindruck haben wir während unseres Landaufenthaltes erhalten und hoffen weiter, ihn bald korrigieren zu können. 

Doch der Landurlaub ist erstmal vorbei. Universal Studios? Check! Disney World? Check! Seaworld? Check? Kennedy Space Center?  Check - grad der geplante Raketenstart ist wegen Bewölkung verschoben worden. Dafür waren wir am Cocoa Beach Surfen und hatten dort auch mal wieder ein Hotel, in dem man die Balkontür öffnen durfte und somit so etwas wie Frischluft hatte. (Nachdem ist gerade „A Little Life“ von Hanya Yanagiha gelesen hatte, habe ich mich geweigert in Motels zu wohnen.) Auch ein Mikrowelle gab es in dem Zimmer. Die Kinder, voll amerikanisch, wollten sich natürlich sofort zum ersten Mal im Leben Mikrowellenpopcorn machen, doch da sie weder mit Mikrowellen vertraut sind, noch mit Garzeiten, haben sie als erstes die Verpackung inklusive Maiskörner in Brand gesteckt. Ich habe die Packung schnell ins Klo geworfen, wo sie zwar ziemlich vor sich hin müffelte, aber wenigstens nicht mehr Flammen schlug. 

Ja, es war ereignisreich, möglicherweise lehrreich, spannend, ausfüllend mehr als erfüllend und eine schöne Zeit für die Kinder. Ich hatte die größte Freude daran, dass in allen amerikanischen Hotels Waschmaschinen rumstehen, die leider aber überhaupt nicht sauber waschen, und selbst an das Duschen und Haarewaschen haben wir uns wieder gewöhnt. Woran wir uns bis zum Ende nicht gewöhnen konnten, war das Essen. Zwar gab es ab und an ein leckeres Steak, aber da musste man aktiv hinfahren. Am Strand gibt es Burger und Burger und Hotdog. Ach ja, und Pommes. Es war grässlich. Das Frühstück im Hotel wurde sage und schreibe auf Plastiktellern serviert, mit Plastikbesteck und wir haben womöglich an einem Morgen mehr Müll produziert, als auf dem Schiff in einer Woche. Das gab natürlich für die Jungs super Recherche-Fragen: Recycling, Müll, Chlor, Ernährung - täglich haben sie in den Kindersuchmaschinen Artikel zu diesen Themen finden müssen und dazu alles Lesen. Das Eine führt zum Anderen, wir haben dann auch Artikel zu Orkas in Gefangenschaft gefunden - interessanterweise unter dem Stichwort: Chlor - und so konnten die Jungs auch herausfinden, welche Kehrseite hinter diesen Tiershows steckt. 

In vollem Stau stehend haben wir dann grad noch das letzte Shuttle Boot erwischt, das uns zurück nach Hause gebracht hat und wie haben wir uns gefreut, dass alles so wunderbar in Ordnung war. Dachten wir.

Es sind schon Menschen erfroren und ertrunken, aber noch nie ist jemand erstunken, hat mein Biologielehrer Erwin Todt aus Transsylvanien immer mit herrlich rollendem r proklamiert, doch der hat noch nie einen Gefrierschrank geöffnet, in dem sieben Tage lang Squids bei 30 Grad plus vor sich hin rotteten - wir öffneten die  Klappe, da es latent nach Furz stank und wir der Ursache auf den Grund gehen wollten. Gemeinsam kreischend sind wir rückwärts aus dem Boot gestolpert, da es mehr gestunken hat, als sich irgendein Mensch vorstellen kann. Wir hatten versehentlich Kühlschrank und Gefriertruhe abgeschaltet. Mit Wäscheklammern auf der Nase und Chlorreinigern in der Hand haben wir schließlich gemeinsam diese verwesenden Fischreste aus der Truhe geholt und über Bord geworfen. Sie waren so dermaßen verfault, dass sie leider nicht mal untergingen und wir hoffen sehr, dass sie nicht bei irgendwem am Schiff hängen geblieben sind. Uns war allen kotzübel und wir konnten fast nicht mehr Peters legendäre Spaghetti mit Pomodoro genießen, auf die wir uns alle schon so lange freuten. 

Doch die Kinder haben schon ein neues Thema: Verwesungsstadien in Relation zur Außentemperatur und Sauerstoffzufuhr.

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Kommentare: 1
  • #1

    Haberler (Samstag, 11 März 2017 10:57)

    Liebe Franziska, danke für Deine herzerfrischenden Schilderungen. Das Leben ist voll Abenteuer u. Überraschungen. Wir freuen uns schon auf Deine weiteren Reiseschilderungen. Sie sind äußerst unterhaltsam. Liebe Grüße und Küsse an Euch alle und habt eine lustige Zeit. Oma u. Opa.