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Tagesroutine

Was machen wir eigentlich den ganzen Tag? Wie schaut so ein Leben an Bord aus? Ein kurzer Einblick in unseren derzeitigen Alltag

Der normale Tag sieht bei uns folgendermaßen aus: Wir stehen meist mit der Sonne auf, das machen die meisten Segler so, vermutlich wegen der begrenzten Strommenge auf Schiffen. Da hier gerade die Sommerzeit umgestellt wurde, ist das momentan irgendwas zwischen sieben und acht. Niko oder ich stehen oft mal eine Stunde vorher auf und schieben den Brotteig, den wir am Vortag bereitet haben, in den Ofen. Dann ist es genau zum Frühstück fertig. Manchmal machen wir auch Frenchtoast, wenn altes Brot verbraucht werden muss, Eier mit Speck oder Obstsalat mit Joghurt oder Porridge. Wir frühstücken gemeinsam und ausführlich. Nach dem Frühstück gehen alle Kinder aufs Netz vorne und toben wie die Irren. Sie spielen seit Wochen mit dem Netz und den Fendern. Was auch immer. Es ist immer sehr lustig, sehr laut und sehr wild. Ganz begriffen haben wir es noch nicht, aber das ist auch nicht so einfach. Dann müssen die Kinder ihre Aufgaben machen. Alle drei. Frida lernt derzeit alle Buchstaben und Rechnen mit Pennys - dem Geld, das die Amerikaner nur dazu verwenden, um es in Brunnen zu werfen - oder in den Müll. Die Kinder fischen alles wieder raus und haben so schon eine beachtliche Sammlung. Niko und Pius haben entweder eine Frage, die wir uns in den letzten Tagen gestellt haben (Unterschiede zwischen Krokodil und Alligator, Zersetzungsprozesse von organischen Stoffen,.. ) oder sie üben Englisch, Rechnen, schreiben Briefe, Referate, suchen Stichwörter im Lexikon und in Kindersuchmaschinen. Gegen 11:00 Uhr nehmen wir dann das Shuttleboot, das die Kinder selber über Funk rufen müssen, und fahren an Land. Während der Fahrt plaudern wir mit Captain Susan oder Captain Edward. Captain Susan nennt unsere Kinder nur die Velcro-Monkeys, da sie an allem hochklettern und wie festgeklebt ausschauen. Captain Edward ist das heimliche Idol der Jungs, groß stark und mit einem sehr schnellen Motorboot. Wir duschen manchmal, waschen Wäsche, gehen spazieren, essen eine Pizza, ein Eis, eine Zwiebelsuppe - je nachdem und kennen uns mittlerweile schon ganz gut aus hier. Oder wir fahren in den Zoo, an den Strand, ins Museum. Es gibt tolle Parks und Spielplätze. Wir kaufen ein bisschen frisches Obst und Gemüse, manchmal Fisch oder Fleisch und fahren zurück aufs Schiff. 

Meist gibt es was zu reparieren, putzen, einzubauen, die Kinder spielen wieder viel und immer zu dritt und dann kochen wir alle gemeinsam Abendessen. Im Sonnenuntergang sitzen wir draußen, obwohl durch den Ostküstenblizzard auch bei uns das Thermometer nachts auf 14 Grad sinkt und wir echt frieren. Also mit Jacken dann. 

Manchmal ist es aber auch alles anders. Dann hat Pius eine Zahnentzündung und wir müssen schnell einen Zahnarzt finden, der den Zahn zieht und das möglichst so, dass das Kind nicht noch wochen- und monatelang darunter leidet. Dann ist der Wind so stark (16 kts+), dass kein Shuttleboot fährt und wir auf dem Schiff festsitzen, bei hohen Wellen und unangenehm kalter Luft. Dann schauen wir aus dem Fenster und beobachten Fischerboote, Pelikane und andere Segler bei ihrem Mooringmanöver. Das ist nie langweilig. 

Oder die Kinder malen einen Sonnenuntergang am Abend, weil sie Kunst haben und springen in ihren Pyjamas ins Meer, weil das gerade in Sport dran ist. 

Alles plätschert dann so vor sich hin, das Meer, das Leben, die Zeit. 

Irgendwann bald werden wir wieder aufbrechen, werden neue Menschen treffen, neue Routinen entwickeln, neuem Unerwarteten begegnen. Bis dahin genießen wir die Ruhe und vor allem die ungewohnte Lebensmittelfülle und -frische an Bord.

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Kommentare: 1
  • #1

    BielefelderOpa (Samstag, 18 März 2017 13:49)

    Nun haben wir also auch geschnallt, dass man da was lesen kann! Es ist schön, wie Du Euren Alltag beschreibst, und man kann sich dann trotz der Entfernung ein wenig besser vorstellen, wie es bei Euch so ist! Lasst es Euch weiterhin so gut gehen, repariert alles und verliert niemanden!