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Natürliche und unnatürliche Gefahren

Unsere letzten Tage in Miami bleiben spannend und schön - wenn auch durchzogen von so mancher Enttäuschung was die Qualität und die Geschwindigkeit der Arbeiten an Bord betreffen.

Unsere Zeit hier in Dinner Key geht langsam zu Ende und wir fahren von Dinner- zu Poolparty, von den Everglades ins Kinder Museum. Es ist toll, dass sich in recht kurzer Zeit so viele freundliche Menschen gefunden haben, die uns unterstützen, mit uns ihre Erfahrungen, Häuser und Tische teilen. Gestern waren wir bei Rob, dessen brasilianische Frau Ayla ein herrliches Mukaka gekocht hat und anschließend einen Jamba-Pie mit Butter Pecan Ice-Cream. Das war ausgezeichnet und vor allem großartig zu sehen, dass sich auch hier viele Menschen von Speisen ernähren, deren Zutaten man aussprechen kann. (Das ist ja hier immer das Kriterium für real food: Ingredients you can pronounce!) Wir sind leider spät zurück gekommen und dann lichterlos mit dem Dinghy Richtung Philocat aufgebrochen, in der Erwartung, dass um halb zehn keiner mehr mit dem Schiff unterwegs ist. Wir haben falsch erwartet und als ein Schnellboot genau auf uns zu raste, wurde uns deutlich, dass wir jetzt genau fünf Sekunden haben, um zu überlegen, wie wir diesen Zusammenprall überleben könnten. Während ich in Schockstarre die Kinder festgehalten habe, hat Peter etwas geistesgegenwärtiger reagiert und mit der Lampe seines Telefons das Motorboot von unserer Anwesenheit überzeugt. Sie waren sicherlich genauso geschockt, was da aus dem sprichwörtlichen Nichts auftauchte und haben zum Glück sofort abgebremst. So konnte die Kollision in letzter Minute verhindert werden. Problematisch daran war zum einen, dass wir natürlich völlig leichtsinnig und verantwortungslos gehandelt haben und zum anderen, dass man sehr viel Glück im Leben braucht. (Oder eben auch Pech, wenn das Scheißboot genau in diesem Moment heim rast). Allen, denen wir davon erzählt haben, schilderten, wieviele Freunde von ihnen auf genau diesem Wege gestorben seien. Und dann wurden wir darauf hingewiesen, wieviel Glück wir gehabt hätten, dass uns die Küstenwache nicht gesehen hat. Das wären horrende Strafen geworden, davon habt ihr keine Ahnung - aber ganz ehrlich, war es in diesem Moment denn nicht viel mehr Glück, dass wir den Zusammenstoß vermeiden konnten? 

Ich habe in dieser Nacht schlecht geschlafen, habe mir Vorwürfe gemacht und viele Gedanken, ob es auf dem Wasser nicht einfach doch überdurchschnittlich gefährlich sei. Wenn ich hingegen Revue passieren lasse, wann ich im Leben eine ähnliche Angst verspürt habe, dann fällt mir der Moment ein, als Niko mit dem Auto und laufendem Motor den Berg hinunter gefahren ist - da war er gerade zwei Jahre alt - oder als ich in Zürich mit dem Rad geradeaus gefahren bin und ein fetter schwarzer Audi rechts abbog - seine Stoßstange habe ich noch mit dem Reifen berührt. Also sind auf dem Land vermutlich genauso viele Gefahren. Oder noch mehr? All die wahnsinnigen Autofahrer, die Motorradfahrer, die hier sogar helmlos fahren dürfen und deren Todesfahrten mit Sternchen auf einer Karte verzeichnet sind, die zahlreicher scheinen, als in einer mondlosen Nacht?

Dagegen waren die vielen Alligatoren in den Everglades heute beinahe idyllisch. Friedlich sind wir 25 km mit dem Rad gefahren, haben Anhingas, Reiher, Schildkröten und Alligatoren (und ihre Babys - süß!!!) bewundert und gehörig geschwitzt. Kein Wunder dass hier Jahre und Jahrzehnte lang das Land vor allem vom Wasser aus besucht wurde und es keine Strassen gab, denn diese Wildnis, diese Bäume, Sümpfe, unwegsamen Dschungellandschaften, sind für Fußgänger wirklich nicht sehr einladend - wenn auch beeindruckend.

Zwischendurch, wenn uns alles zu viel wird, die Menschen zu nett, der Verkehr zu dicht, die Häuser zu hoch und die Sonne zu hell, dann fahren wir auf eine kleine einsame Insel, erforschen Wege und Pflanzen, fangen Fischlein und Eidechsen und sind sehr zufrieden mit unserer Gesellschaft und dem Wenigen um uns rum.

Ach ja, vielleicht sollte ich auch noch erwähnen, warum wir derzeit so wenig und ungern auf dem Schiff sind... Siehe Bild

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Kommentare: 1
  • #1

    Leo-Opa (Samstag, 01 April 2017 19:02)

    Schön aufregend Euer Leben, das war Arschknapp, man hat nicht immer soviel Glück. Wir wollen Euch alle gesund wiedersehen ! Bussi u. Drücker von Opa .