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Immer alles anders

Samstagnachmittag auf Sonntagfrüh war das einzig mögliche Wetterfenster in 10 Tagen um von den USA nach Kuba zu fahren. Permanente Sturm und Wellenwarnungen aber auch Peters nahender Geburtstag, der irgendwie nach Kuba gehört, nicht in die USA.

Also los, spontan, etwas nervös, aber mit viel Elan und gemeinsamer Energie. Der Start war mäßig, kaum bin ich vom Mooringball abgefahren, mussten wir feststellen, dass sich das Ruder nach leerem Kanister anfühlt - also wieder anhalten, anlegen, Kanister orten, entfernen und dann los. Kurs Süden! Es fährt, die Sonne geht langsam unter, die Kinder legen sich zu Ruhe, die Navigationslichter leider auch. Also bei hohen Wellen kopfüber in den Schrank tauchen, mikroskopisch kleine Sicherungen stecken, Kinder wieder aufwecken - bitte Schlange bilden und uns sagen, wann welches Licht brennt - keines, ok, dann Notlösung, rotes Halstuch über Solarlaterne an Backbord… langsam kehrt Ruhe ein und die endlos lange Nacht beginnt. Wind, Wellen, Schaukeln - doch zum Glück: der Mond. Ab und zu an Ozean Riesen vorbeinavigieren. Länge nur 300 Meter, 311 Meter, Breite 34 Meter - da fühlt man sich sehr klein und unbedeutend. Doch auch die längsten Nächte gehen vorüber. Statt Varadero, welches eine weitere amerikanische Enklave im Karibischen Meeresraum ist, laufen wir also das 30 nm weiter westlich liegende Havanna an - und werden nicht enttäuscht: Anstelle der erwarteten Schwierigkeiten mit dem Schiff nach Kuba einzureisen, treffen wir ausschließlich freundliche Menschen, Guardias, Immigration officers, Harbour Masters, alle glücklich, höflich, zuvorkommend. Wir checken ein, werden gecheckt und fühlen uns sofort wohl. Wir sind so froh, endlich aus Amerika weg zu sein, wir genießen die Ruhe, die Offenheit der Menschen, die Zugewandtheit, das ehrliche Interesse. Wir genießen die unperfektionistische Ordnung und die absolute wenn auch schräge Funktionalität der hiesigen Systeme, wir genießen das Chaos und die Verrücktheit. Wir fühlen uns alle so wohl!

Jetzt werden wir mal schlafen, uns erholen von der Aufregung und den nächtlichen Strapazen, denn es lohnt sich einfach immer wieder!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jörg (Mittwoch, 12 April 2017 21:31)

    Hallo Peter,

    zuerst einmal möchte ich dir ganz herzlich alles Gute zum Geburtstag wünschen! Ich sehe eben, ihr seid gut auf Cuba angekommen, da werdet ihr heute wohl noch mit ein paar Mojitos anstoßen und gebührend feiern! Ich habe seit eurem Aufbrechen immer wieder eure Reise verfolgt, bin beeindruckt von eurem Mut und Abenteuerlust. Es freut und beruhigt mich, dass alles so toll klappt. Liebe Grüße an Franziska und die Kinder, <Jörg>