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Jiamanitas

Nun haben wir 10 Stunden am Stück geschlafen, wie Steine in die Nacht gefallen und am nächsten Morgen in Kuba aufgeschlagen. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir in den nahegelegenen Ort Jiamanitas spaziert.

Wir wussten nicht, wie er heißt, noch haben wir vieles hier nicht begriffen. Wir wollten Geld wechseln, doch es gibt keine Banken. Wir wollten einkaufen, doch es gibt keine Supermärkte. Wir wollten essen, doch es gibt keine Restaurants. Wir wollten Bus fahren, doch akzeptieren die Fahrer nur die Kubanischen Pesos und nicht die Touristenwährung CUC. Die Touristen dürfen jedoch keine Pesos besitzen.

Doch wie lautet das Motto unserer Reise: Talk to each other! Also habe ich mir ein paar Damen gesucht, die ich komplett ausfragen durfte. Daraufhin haben wir ein kleines Häuschen, eine CADECA, gefunden, wo wir sowohl CUC als auch Pesos wechseln durften. (Übrigens ist es viel besser Euro in CUC zu wechseln, da die US Amerikaner und ihre Währung hier mit einer Art Strafzoll belegt werden - Unterschied von über 30%! Verdientermaßen, wie ich finde, denn diese Art von Tourismus, die viele Amerikaner hier zelebrieren - illegalerweise übrigens, da sie nach wie vor nicht als Touristen nach Kuba reisen dürfen sondern nur unter Angabe eine von speziellen Gründen, wie zum Beispiel educational reasons. Sie reisen also hier ein mit ihren Megayachten, kaufen den Spirituosenmarkt in der Marina leer - der noch am ehesten einem Supermarkt ähnelt, kaufen einfach mal gleich den gesamten Wodka Vorrat, also gut 50 Flaschen zu 1,50 CUC kistenweise ohne Rücksicht auf andere, kaufen alle Zigarren und sprechen ausschließlich Englisch - was hier niemand kann. Sonst interessieren sich eigentlich für nicht viel anderes. Kuba ist also ihr billiger Markt für Luxuswaren ergo Zigarren und Spirituosen. Aber die Kinder haben mir verboten zu schimpfen, mich darüber aufzuregen und die Leute gleich an Ort und Stelle für ihren immensen Durst zu verhöhnen.)

Meine Damen zeigten mir dann auch das Haus einer Freundin, die für den gesamten Ort mittags kocht und wir haben ein herrliches Mittagessen genossen, Essen, das wieder nach Nahrung schmeckt und nach Natur aussieht. Auch auf dem Markt haben wir lokales Obst und Gemüse erhalten sowie Früchte, die wir noch nie gesehen haben. Sogar Internetkarten haben wir zwei bekommen - somit kann ich wieder etwas schreiben. Allerdings funktionieren sie schlecht bis gar nicht also keine Bilder, und nur sporadisch…

Um uns herum bläst der angekündigte Sturm mit 30 Knoten Wind und wir sind wirklich froh, hier sicher in der Heminway (Hemmingway) Marina zu liegen. Ein Ort, an dem sich Ernest Hemingway und Fidel Castro 1960 kurz getroffen und bestens verstanden haben sollen.

Drei deutsche Nachbarn haben wir schon gefunden, am besten gefällt uns Bolle aus Berlin, der zwar nicht so heißt und auch schon lange in Toronto lebt, aber so aussieht und sich auch so verhält. Schließlich hat er eine junge Dame kennengelernt, deren Gesellschaft er nächtens genießt doch wenn er morgens zurückkommt, hat er einen blutenden Verband am Arm und ein Handy weniger - und ist bass erstaunt. Doch hält ihn nichts und niemand davon ab, am nächsten Abend wieder loszuziehen. Segeln hingegen will er nicht mehr, nachdem bei der Überfahrt nach Kuba 30 Stunden so hohe Wellen waren, dass er sich drei mal in die Hose gepinkelt hat vor Angst. Auch das Ehepaar aus Holland hat auf dem Weg von Panama seinen Mast im Golf verloren und die 49er Outremer vermisst ihre Schwerter. Ja, wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die immer wieder Schiffsprobleme haben - derzeit kämpfen wir noch immer mit unseren Navigationslichtern. Doch haben wir Zeit und Ruhe und sind prinzipiell eher permaentspannt. Ebenso die Kinder, die schon wieder die gesamte Marina kennt und die das Land, das Leben und die Menschen hier ebenso angetan bestaunen wie wir.

Morgen früh geht es also per Autobus nach Habana, ciudad vieja, und wenn der Sturm nachlässt umrunden wir die Insel gen Süden.

  

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