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Kuba, die Zweite

Nun sind wir ja schon eine Weile unterwegs in diesem sagenumwobenen Land, das die Besucher ganz offensichtlich polarisiert. Was auffällig ist, ist das Missverhältnis der Preise. Wenn ein kubanischer Arzt wirklich zwischen 25 und 45 CUC im Monat verdient, dann ist es schwer zu begreifen, dass ein Tourist für zwei Stunden Fischen 60 zahlen muss oder für eine Kutschfahrt in Havanna 40 CUC (1 Stunde). 

Es ist schwer zu begreifen, dass die Yachties nirgendwo an Land dürfen, wenn man nicht vorher in einem komplexen Procedere - diesmal bin ich über Bord gesprungen, an Land gegangen, habe mit der Security vereinbart, dass wenn ich mein Movilo bringe, er für mich die Guardia Frontera anruft, die aber noch die nächste Stunde Urlaub hat und auch nur er die Nummer. In der Zwischenzeit fragt er mich über alles aus: was, vier Kinder? Und dein Mann, hat der auch noch andere Kinder? Was, er ist fünfzig? Naja, wenn du dich gut fühlst… Und? Was habt ihr an Bord? Welche Handymarke? Wieviel PS? Was, kein TV? Kein A/C? Aha? Und die Kinder? Wieso keine Schule ....

Ich bin dann geflohen und habe die Guardia Frontera selbst erreicht. Der dicke Herr kommt dann mit der Fähre, mit Wanderschuhen, dann muss man ihn mit dem Dinghy abholen, ihn an Bord bringen, nein bitte nur Wasser, bin Diabetiker. Nach einer Stunde immer die gleichen Formulare ausfüllen, darf man ihn dann wieder an Land bringen - wir haben alle Listen schon auf Spanisch übersetzt und ausgedruckt, aber dennoch schaffen wir es nicht, die Prozedur zu verkürzen, dann muss man Bescheid sagen, wann man abfährt, dann kommt er wieder und es geht alles von vorne los. 

Capo Levisa ist eine Touristeninsel vom Feinsten, es gibt acht Arten Shampoo zu kaufen aber kein Internet. Es scheint, als wollte man die Touristen separieren, damit sie von dem Rest des Landes nichts mitbekommen. Auch wir dürfen nicht das Land betreten, ohne jedes Mal vorher die langwierige Prozedur mit der Guardia Frontera zu absolvieren, die es jedoch nur alle 100 Meilen gibt- d.h. für uns alle 2-4 Tage möglich ist, da fast alle Port of Entry geschlossen wurden. In unserem Führer von 2015 gab es noch viel mehr, aber die amerikanischen Schiffe scheinen wirklich nicht so gerne an der kubanischen Nordküste zu segeln und Europäer kommen halt nicht so oft hierher, als dass es sich lohnen würde, einen Posten alle 50 Meilen zu stationieren. Das frustriert auf Dauer doch sehr, denn die Strecken sind weit, die Verpflegung nicht vorhanden und die Kinder tagelang auf dem Schiff zu halten, während wir so gerne mal an den Strand oder in ein Örtchen gehen würden, ist weder einfach noch gut für die Stimmung an Bord. Diese sinkt nämlich dieser Tage mal wieder auf den Nullpunkt. Stundenlanges wildes Segeln, schlechte Nächte bei notdürftigen Ankerplätzen, keine Auszeit an Land. Keine frisches Obst oder Gemüse. Und die Insel ist lang. Wenn man sich vorstellt, dass das die nächsten Wochen und Monate so weiter geht, packt mich das Grauen. Ich bin frustriert und bereue alles, auch die Kinder spüren die schlechte Atmosphäre und Peter wird ebenfalls unglücklich. Es muss sich was ändern! Wir überlegen hin und her, planen, verwerfen, nehmen den Atlas - und fällen eine Entscheidung. Kubas Süden muss ohne uns auskommen und wir ohne ihn - es geht weiter nach Mexiko. Schon nächste Woche. Kuba ist kein Land, um zu segeln. Auf Cayo Levisa haben wir ein schweizerisch-holländisches Pärchen getroffen, die mit ihren Kindern im Inland unterwegs waren, mit dem Taxi zum nächsten Ort, in ein Casa particular - alles spontan und unproblematisch. Mit dem Schiff ist es das Gegenteil. Die meisten Schiffe fahren von Florida in die Marina Hemmingway, lassen das Schiff dort und fahren mit dem Auto weiter. Das hat zum Einen die oben genannten Gründe, zum Anderen ist die Insel vielerorts völlig verwaist und besonders hier im Westen gibt es fast keine größeren Orte oder Siedlungen- und das ist immerhin ein gutes Drittel des Landes. Nein, Einsamkeit ist schön, stille Buchten und klares Wasser - das hatten wir aber ausreichend im Jahr 2016 auf den Bahamas - und dort durften wir überall ankern und an Land gehen, es gab die freie Wahl zwischen Einsamkeit und Zivilisation. Wir wollen gerne wieder diese Wahl. Wir wollen auch keinen Segelmarathon aufstellen und 70 - 160 nm pro Tag mit drei Kindern ist nicht die Art von Reise, die wir uns vorgestellt haben!

Und noch ganz kurz zu den vielen Fragen und Kommentaren, die mich täglich erreichen: Erstmal Danke! es fühlt sich gut an, zu wissen, dass uns so viele nahe Menschen begleiten!

@Wolfgang: Fotos kann ich zur Zeit nur ganz selten uploaden -  in der Galerie ist eine Übersicht.

@Lili und Jakob: Ihr habt natürlich recht: Das Einmaleins ist sehr wichtig. Und Niko und Pius üben auch immer schon wieder ganz fleißig. Außerdem müssen sie immer unseren Kurs berechnen: Wie lange brauchen wir für 65 Meilen, wenn wir im Schnitt 8 Knoten fahren? Wo geht die Sonne unter und wieviel Grad fahren dann wir? Außerdem haben wir noch eine Frage: Wenn wir in ganz ruhigen Buchten liegen der Boden ganz oder teilweise Seegras bedeckt, dann hören wir ein komisches, unregelmäßiges leises Hupen oder Schnarren. Wir haben schon das gesamte Schiff auseinander genommen, jedes elektrische Gerät abgestellt - es muss von außen kommen und auch nur nachts. Gibt es hupende Muscheln? Könnt ihr das mal googeln? Von eurer Mama habe ich gehört, dass ihr schon ziemlich gut alleine mit dem Internet umgehen könnt…

@Uli: Ja, ein Rumpunsch wäre schön zusammen, aber der Rum ist hier so edel, dass man ihn ohne Punsch auch gut trinken kann! Danke für deinen langen Kommentar.

@Doris: Es wird Zeit, dass ihr das Schiff mal in echt seht!

@Burgi: Danke für Deine lieben Worte, das Kommentieren auf der HP ist aber natürlich nicht obligatorisch. Ich freue mich auch über Mails, wenn du Gedanken mit mir teilen möchtest.

 

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