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Kaiman Brac

Kaiman Brac, eine Insel, von der ich bis vor wenigen Tagen noch gar nicht wusste, dass sie existiert.

So, endlich weg aus Kuba. Uns hat es nun schon gereicht. Wie schrieben unsere österreichischen Seglerkollegen? „Also ganz ehrlich, auf Kuba hätten wir gut verzichten können!“ So ähnlich geht es uns auch. Es war stellenweise schön und idyllisch, es war vor allem abgeschieden mit dürftiger Versorgungsstruktur, mit wenig Menschenkontakt und wenn, dann war der ausschließlich touristisch orientiert. Wir sind etwas voreilig, mit dem konstanten Problem der hier üblichen prevailing Southeasterlies losgefahren, d.h. der Wind kommt mehr oder minder konstant aus der gleichen Richtung und das ist leider die Richtung, in die wir weiter mussten. Bei Segelschiffen ist es nun aber mal so, dass sie in jede Richtung fahren können, außer in die aus der der Wind weht. Knapp 50 Grad am Wind ist das nächste was wir leisten können. Man muss also entweder kreuzen oder ein anderes Ziel wählen. 160 nm sind reaktiv viel, so gute 24 - 30 Stunden Segelzeit und wenn man kreuzt, wird es entsprechend länger. Die ersten 50 nm konnten wir noch recht flott segeln, wenn auch mit dem Wermutstropfen des vorhergegangenen Starkwindes, der die Wellen hoch und unangenehm gegen uns warf. Das wurde im Laufe der Nacht besser, doch ab Sonnenuntergang mussten wir motoren. Das haben wir noch nie. Ein nerviges Brummen und Rattern, das uns fast 14 Stunden begleitet hat. An sich ja eine komfortable Methode der Fortbewegung, beinahe einschläfernd. Doch gegen 4 Uhr morgens zog plötzlich Wind auf, richtig Wind, bald schon 24 Knoten gegen uns, dazu die tiefschwarze Dunkelheit, die uns umgab, da über uns eine Gewitterwolke aufgezogen war. Diese tropischen Gewitter sind kurz und heftig und beinah schien es, als käme die gleiche Menge Wasser von oben auf uns runter, wie unter uns war. Doch nach knapp 30 Minuten war es vorbei und es ging uneventvoll bis Kaiman Brac weiter. Eine wunderschöne Insel umgeben von einem Riff. Die Unterwassersichtweite ist leicht 30 bis 40 Meter , man kann gar nicht aufhören zu schnorcheln, zumal die Außentemperatur einen sowieso ins Wasser treibt. Freundliche und gut organisierte Officers immigrierten uns und zeigten uns fröhlich die Annehmlichkeiten der kleinen Insel, das Postamt, die Bank, den Supermarkt. Es fühlt sich so gut an, wieder ein Handynetz zu haben, an einer sicheren Mooring zu liegen, die gratis rund um die Insel montiert wurden. Einen Ort, an dem man auch wieder an die Außenwelt angeschlossen ist. Wir können duschen, essen gehen und in einem Supermarkt einkaufen, der sogar volle Regale hat. Auch frische Dinge, wie Obst und Gemüse sind wieder erhältlich. Und unsere unfreiwillige Laktoseintoleranz hat nun auch endlich ein Ende, hier gibt es Milch, Butter und Käse. Welch ungewohnter Luxus. Ein Restaurant mit mehr als einer Speise auf der Karte und unglaublich nette Inselbewohner, die unsere Wäsche waschen und sich um alles kümmern. Es muss aber auch ein komisches Leben sein auf dieser Insel, die gerade einmal 1800 Einwohner hat und wirklich fernab dem nächsten Festland liegt. Aber sie haben sogar eine kleine Schule und einen entzückenden Friedhof direkt am Wasser. Gleich daneben liegt Little Kaiman und 60 nm entfernt Grand Kaiman, mit immer bis zu fünf Kreuzfahrtschiffen, die dort vor Anker liegen und die Bevölkerung vermutlich permanent verdoppeln.

Eine strategisch günstig gewählte Location der Engländer, die sich die Insel auch als extraterritoriales Gebiet behalten haben. Mit Linksverkehr und metrischem System, doch eigener Währung und sogar eigenen Pässen - die man auf Wunsch jedoch gegen britische eintauschen kann. Doch niemand will das hier. Es ist vielleicht die letzte Insel der Seeligen - bis der Schiffsverkehr zunimmt, der Schmuggel aus Jamaica, die Zuwanderung aus den Philippinen und das letzte kleine Stück Paradies weltlichen Sorgen unterworfen werden wird. Allein die Anzahl der Segelschiffe hat sich seit der "Öffnung" Kubas hier vervierfacht. Der Bauplan einer Marina existiert. 

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