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Hindernisse

Wir mussten etwas überstürzt unseren „Landurlaub“ abbrechen, um zurück zum Schiff zu fahren. Dort warteten schließlich die Marine Police, die Crew des rutschenden Bootes sowie Marina manager, Dock Manager und selbsternannte Meinungsträger auf uns. Doch so einfach war das Unterfangen Heimfahrt nicht.

Nach den starken Regenfällen, die vielerorts zu Überflutungen und gesperrten Strassen geführt haben, waren auch etliche Orte ohne Strom. Ohne Strom funktioniert keine Tankstelle. Ohne Benzin kommt man nicht weit. Wir hatten noch einen Achtel Tank, als wir die erste Station anfuhren. No current! Die zweite Tankstelle war 20 Meilen entfernt, ok, probieren wir’s. No current! Auch bei der dritten und vierten hatten wir kein Glück. Ich wurde langsam ziemlich nervös, denn in Schlamm und Regen im Jamaikanischen Nirgendwo stecken zu bleiben, ist es alles andere als sicher und bequem. Bei der fünften - und wirklich auf den letzten Tropfen - hatten wir schließlich Glück und bekamen das heiß ersehnte. Das sind nun wirklich Probleme, die wir nicht kennen in Zentraleuropa. 

Über den neuen Highway waren wir dann recht schnell zurück in Montego Bay. Es erwartete uns eine große aufgeregt diskutierende Männerrunde. Es gab wohl verschiedene Varianten, keine Zeugen. Welches Schiff wann in welches gefahren ist, welches den naheliegenden Steg zerstört hat, welches welche Spuren aufweist, welche Farbstreifen, welche Verletzungen: Völlige Unklarheit und große Sprachbarrieren. Die Kinder jammern, haben Hunger, die Kapitäne streiten, brauchen mich zum Übersetzen. Es ist heiß. Die Argentinier müssen weiter, ein Gewitter zieht auf. Nein, sie sind nicht versichert. Nein, sie haben keine Geld und keine Zeit, uns reparieren zu helfen. Wir haben ein Loch im Rumpf. 

Ya Man, was gibt es zu erzählen? Diese Geschichten sind ja immer so traurig wie mysteriös, so unbefriedigend wie unnötig. Eine Männer Crew aus Argentinien die 12 tage Urlaub in Jamaika macht, ein Boot, welches in den BVIs registriert ist jedoch nicht versichert ist, Menschen, die so viel weniger haben, die unverantwortlich gehandelt haben. Viele ungereimte Geschichten, viele mögliche Erklärungen, aber keine singuläre Antwort. Und auch keine Lösung. Wem kann man glauben? Wer ist glaubwürdiger? Dann die Sprachprobleme: Die Argentinier sprechen kein Wort Englisch. 

Es ist vor allem traurig und als Sieger geht leider niemand hervor. Wir versuchen nur, gut miteinander umzugehen und gut auseinanderzugehen. Wir geben uns Mühe. Schluck Stolz und Gier, schluck Argwohn und Mitleid! Man trifft sich immer zweimal im Leben. Feinde helfen nicht. Wir gehen auseinander als Freunde in Liebe. Als Partner in Crime? Und mit einem neuen dringenden Punkt auf der Bootsreparaturliste.

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