· 

Jamaikanischer Alltag

Und mal wieder die Frage: Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag?

Wollt ihr eine ehrliche Antwort? Uns geht es großartig! Wenn wir nicht mit unserem Freund Winston Kayaking, Schnorcheln und Tauchen gehen, fahren wir reiten oder legen uns an dem Pool. Dorothy macht den gesamten Haushalt, die Kinder hatten heute ihren ersten Schultag in einer bilingualen (Englisch/Spanisch) Montessori Schule, zusammen mit all unseren Nachbarskindern. Klasse und Dauer dürfen sie sich erstmal selber aussuchen, aber es ist großartig, wie man sich überall ein Zuhause einrichten kann, wie man überall unglaublich nette Menschen trifft, wie man sich auf der gesamten Welt wohl fühlt. 

Ja, die ersten Monate waren zum Teil sehr anstrengend- ich habe mit Schrecken festgestellt, dass ich ich der Kubazeit, also in drei Wochen 6 Kilo verloren habe, die sind - Dorothy sei Dank - schon wieder da und ich genieße so sehr dieses fruchtbare Land, diese Wärme und die vielen offenen und zugewandten Menschen. Ja, es ist hier sicherlich auch die Insel mit der deutlichsten Apartheid jenseits von Südafrika, mit der meisten Wut, die mit der unglaublichen Armut in den Slums einhergeht. Ich habe schon denkbar viele Länder besucht, denen es wirtschaftlich schlecht ging, niemals jedoch ist mir so viel Hass entgegengebracht worden, wie Downtown Montego Bay. Und dann gibt es die anderen Menschen, die reichen Schwarzen, die Mittelschicht, die offenen Menschen, die freundlichen, die zugezogenen Weißen. Die Bandbreite ist unendlich. Und so viele neue Freunde sind dort zu finden. 

Peter war gestern Abend mit ein paar davon Film schauen, die alten Filme aus Jamaika, "Rockers" (1972) und "the harter they come", dazu haben sie Zigarren aus Kuba geraucht und Red Stripe getrunken. 

Ich war alleine einkaufen heute - Linksverkehr!, Schlaglöcher, totales Verkehrschaos der Großstadt - voll stolz! Bin zur Schule gefahren, habe den Gärtner mit Bier und Wasser und Pfandflaschen versorgt, habe mich mit zwei weiteren Familien zum Rafting am Wochenende verabredet. Und zum Baumhauswohnen. Oft essen wir abends gemeinsam, trinken noch ein Bier oder eine Rumlimo, plaudern über den Tag, über Worldschooling oder nationale Besonderheiten. Und, ein Phänomen gibt es in Europa, das glaubt mir niemand, nicht die Jamaikaner, nicht die US-Amerikaner, nicht ein Mensch: Gratis-Bildung für Kinder und obligatorische Krankenversicherung - eher würden sie mir glauben, dass in jeder europäischen Badewanne ein Seemonster wohnt. Enjoy it while you can!!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0