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Ein Leben in der Karibik

Socken? Wofür? Unsere lustigsten, interessantesten und ungewöhnlichsten Begegnungen..

"Dem seh weh nun kill wi / dat only mek wi stronga!"

Auch wenn man nicht verallgemeinern darf, wenn man nationale Grenzen nicht als mentale Grenzen verstehen sollte - ein gewisser Grad an Lebenshaltung, an allgemeiner Attitüde von Menschen, die in der Karibik leben, besonders hier auf Jamaika, ist schon irgendwie deutlich, wird immer deutlicher. Dazu ein paar Beispiele: Im Supermarkt, das Produkt lässt sich nicht scannen, auch nicht das zweite und dritte der gleichen Sorte, das die Assistentin langsam und umständlich jedes Mal neu herbeiholt, es vergehen 15, 20 Minuten, gelangweilt schaut mich die Verkäuferin an, kaut an ihrem Kaugummi und fragt dann: Do you really need that?? Oder die Verkäuferin im einzigen Bekleidungsstore. Ich brauche Socken für Frida. Das erkläre ich der Verkäuferin. Sie fragt: What for? Etwas verwundert antworte ich, dass sie diese zum Tragen benötige: Also verweist mich die Dame darauf, sie hätten nur welche für die Schule der für die Kirche, welche ich also wolle...

Oder Puffy, nach dem vierten Red Stripe: "So Craig, how do you like your women? big or small" Craig: "Which parts??"

Dann die Esseneinladung bei Winston und Denise, born and raised jamaican, einige Freunde kommen dazu. Trina begrüßt uns mit den Worten: I smell the insect repellant of the white man...

Ja, man kann sich hier wirklich wohlfühlen. Niko plant schon fest nach Jamaika zu ziehen, wenn er mal groß ist und Peter, gerade in Europa angekommen, weiß nicht mehr, wie das geht, dieses gerade, pünktliche, formale. 

Wenn man in der Karibik ist, muss man dauernd damit rechnen, dass Katastrophen passieren, Überflutungen, Stürme, Hurrikane, Morde und andere Dramen sind Teil des Lebens. Nichts ist sicher, nichts ewig. Vielleicht ist deshalb der einzige Schutz das Ganze mit einer gehörigen Portion Humor zu ertragen. Anbei ein Video, in dem übrigens auch mein Leihehemann ist  - ich habe zwei davon bekommen, jetzt wo Peter weg ist, die alle Ausflüge mit mir machen, die mir helfen auf die Kinder aufzupassen, die wissen wo die Schule ist und wie man Probleme löst. Jamaika ist einfach besser mit Ehemann. Ich wasche ihre Wäsche und koche ab und an eine Mahlzeit, sie gehen mit den Jungs fischen, wenn ich Frida zum Reiten bringe, kümmern sich um mein Schiff und unsere Sicherheit. Feminismus und Umweltschutz sind nur was für Industrienationen, ist hier die allgemeine Ansicht. 

Also genau hinschauen, dann erkennt ihr ein Gesicht von unseren Partys. Das Lied ist eine Art Familienhymne hier geworden, Pius ist völlig angetan und weiß jetzt auch schon, was er macht, wenn er mal groß ist!

Ach ja, und eine schöne Begegnung hatten wir noch, gestern, meine Kinder, meine Ehemänner und ich: Die Logos Hope liegt derzeit in Montego Bay im Hafen. Ein Bücherschiff einer deutschen, christlichen Organisation, mit 400 freiwilligen Helfern an Bord aus über 60 Nationen, das in die ärmeren Länder dieser Welt fährt, günstig Bücher vertreibt und somit, nach eigenen Angaben: Knowledge, Hope and Help liefert. Eine großartige Idee, die Menschen strömen zu hunderten auf das Schiff und kaufen günstig Bücher ein, nebenher schickt die Logos Hope schiffseigene Handwerker an Land, welche beim Wiederaufbau nach Naturkatastrophen helfen,  besuchen Schulen und Gefängnisse und verschenken Wasseraufbereiter. Da wir auch Boatpeople sind, haben wir gleich noch die Tour bekommen, nicht alle Tage ist man auf einem 120 Meter Schiff, und haben viele der Mitarbeiter getroffen, die dieses Projekt am Leben halten. Also meine lieben Abiturientinnen und Abiturienten, die ihr gerade in diesem Moment verabschiedet werdet: Das wäre doch auch ein Plan für die nächsten Monate und Jahre, oder?

 

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