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Oh, wie schön ist Panama!

60 Stunden, 529 nm, 27 Knoten Wind, 17 Knoten Topspeed, 4 Meter Wellen. 

Panama- wie wunderbar!

Abfahrt 3.7.2017 Negril, wo wir am Sonntag mit unseren Freunden Prento und Puffy hingesegelt sind, auf dem Weg einen Barrakuda erwischt haben, einen herrlichen Abend mit Biertauchen und Musikhören verbracht haben, umgeben von absurden Wetterphänomenen, wie Windhosen, Hochgewitter und Starkregen. 

Es waren traurige Abschiede, hier in Jamaika, aber gleichzeitig rauschende Feste, unglaublich lustige spontane Zusammenkünfte von Menschen aller Farben und Formen, mit Soundsystem, das Peter aus Österreich mitgebracht hat und jeder hat sofort gesungen und getanzt, die ganze Wohnanlage hat mitgefeiert, außer eine Dame, die stattdessen die Security rief. Die auch kam, aber glücklich mit uns ein Bier getrunken hat und mitgefeiert. 

Lange tränenreiche Abschiede, auch auf Seiten der Kinder, die sich hier so wohlgefühlt haben, so angenommen und angekommen, doch immer wieder stellt sich dann die Frage: Ist es besser, sie hätten all das nicht kennengelernt, damit der Abschied nicht so schwer ist oder sind nicht gerade all die Erinnerungen, die Musik, die gemeinsame Zeit das eigentlich Kostbare?

Bei unserer Überfahrt hingegen werden wir etwas gestraft für die lange Zeit, die wir in der Hurricane Region verbracht haben. Die Tropical Waves nehmen zu und die ersten Tage und Nächte sind wir in einem Hexenkessel unterwegs. Immer wieder Wellen, die alle paar Minuten über unserem Boot zusammenbrechen, alles wird nass, alle Bette, alle Kleidung, das perfekt aufgeräumte und gesäuberte Schiff sieht in wenigen Stunden aus, wie ein Schlachtfeld. Wir übrigens auch, wir kämpfen gegen Wind und Wellen, Windstärke meist zwischen 20 und 27 Knoten, wir müssen reffen, die Kinder schauen uns fassungslos an, während wir triefend vor Nässe herumturnen, Niko hilft mit, Frida schläft ein, Pius kotzt. Es sollen lange Stunden und Tage werden, bevor sich das Meer etwas beruhigt, bevor wir mal wieder eine warme Mahlzeit bekommen, bevor man sich überhaupt bewegen kann, ohne von den Wellen herumgeworfen zu werden. 

Hin und hergerissen zwischen Faszination für diese Naturgewalten, Verzweiflung, mitten drin zu stecken und echt nicht raus zu kommen, und Resignation, denn es wird wohl schon vorbeigehen. Und am zweiten Tag beginnt das Meer sich zu beruhigen, wir kochen Kartoffeleintopf mit Würstchen für alle zur Stärkung, wir lesen vor, wir knabbern Buchstaben aus Salzbrezeln und entdecken sogar so was ähnliches wie die Sonne am Himmel… Noch zwei Nächte!

Langsam wird es besser, die Wellen werden definierter, das Wetter beständiger, es macht richtig Spaß. Am zweiten Abend entwickelt sich eine richtige Routine, ein Fisch fürs Abendessen wird gefangen, die Kinder schauen einen Film, dann legen sich alle schlafen. Ich nicht. Ich mache die Nachtwachen, ich liebe die Nachtwachen, ganz alleine unter dem Mond, ich höre Musik und tanze, ich trinke Bier und esse Chips, ich bestaune die Wellen, die Wolken - irgendwann löst Peter mich ab, wir haben keine Regeln, wer müde ist, sagt Bescheid. Ich kann gut nachts wach bleiben, Peter ist tagsüber besser. Die Kinder sind zufrieden, spielen, essen. Wir genießen die Zeit. Am nächsten Morgen wird der Wind wieder stärker und wir haben nur noch 109 nm. Also wird geraced. Wir wollen heute noch ankommen. Die Segel voll durchsetzen und mit 13 - 15 Knoten durch das karibische Meer brausen. Herrlich. Die Wellen sind noch hoch aber von einer Seite und nicht mehr von allen Seiten. Man hat sich schon voll daran gewöhnt. Und dann, dann kommt tatsächlich der Ruf: Land in Sicht!! Panama! Und oh wie schön! Wir müssen zwar nachts im Unbekannten Ankern, aber dafür können wir alle herrlich durchschlafen. Wir schaffen das auch, doch schlafen können wir nicht. Noch lange sitzen Peter und ich im Cockpit unter den Sternen und lassen die Anspannung der letzten Tage von uns abfallen. Wir plaudern und genießen das kühle Lüftchen. 

Am nächsten Morgen sind wir überwältigt von der Schönheit um uns herum. Hunderte Segelschiffe liegen in dieser Bucht. Aussteiger, Freaks, Menschen aus aller Welt, an Land Papageien und Affen, Palmen, Strände, kleine Häuschen und ein Frieden liegt über allem. Es ist fast zu schön um weiterzufahren. Also bleiben wir erst mal hier!


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Kommentare: 2
  • #1

    oma u.opa aus graz (Sonntag, 09 Juli 2017 13:43)

    wir freuen uns , dass ihr gut angekommen seid. segeln ist manchmal sehr aufregend und auch nass. liebe grüsse und küsse an euch alle. Oma u. opa

  • #2

    Heidi and Sean (Samstag, 15 Juli 2017 15:57)

    Wir sind froh, dass ihr in Panama sicher sind. Wir vermissen euch in Jamaika! Vielen Dank für die Aktualisierung von uns durch ihren Blog. Ich zeige unseren Kindern die Bilder von wo ihr in der Welt bist.