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Unterwegs in Amazonien

Fluss? Ein echter? Noch nie gesehen! Erfahrungsberichte aus Amazonien.

Nun sind wir in Amazonien. Nach einem kurzen Aufenthalt in dem wirklich coolen Bergdorf Baños, wo man nicht nur über eine Schlucht schaukeln kann, ein Spa mit Aussicht auf den Tungurahua (einen der aktiven Vulkane Ecuadors) genießen, sondern vor allem auch gemütlich durch den Ort schlendern, schlammige Bäder mit Einheimischen teilen und äußerst günstig in kleinen Backpacker Hostels wohnen. Wir haben Baños geliebt, leider hat es dauerhaft geregnet und als dann auch noch Schnee dazukam, haben wir schnell das Weite gesucht und sind abwärts gefahren, immer dem Flusslauf nach, bis nach Punta Ahuano. Dort sind wir in ein motorisiertes Kanu umgestiegen und seither scheint mir, ich hätte in meinen 38 Lebensjahren noch nie einen Fluss gesehen . Der Rio Napo, einer der Amazonas Zulaufe, ist gigantisch. Ich kenne die Bergwelt, nicht nur aufgrund meiner Herkunft sondern auch aus meiner Zeit in Österreich, das Meer ist mir vertraut, doch Flüsse, wahre Flüsse, nicht beschnitten, eingesperrt, betoniert, umgeleitet, als Wasserwerk missbraucht - habe ich noch nie gesehen. Gegen 17:30 Uhr steigt sanfter Dampf vom Flussbett hinauf und taucht alles in einen unwirklichen Nebel. Die Affen spielen kreischend auf den Bäumen, die Wellensittiche und Papageien fliegen schimpfend darüber hinweg. Und es herrscht die absolute Ruhe. Also keine Stille, sondern ein friedliches Zelt, das sich über alles zu spannen scheint. Hier und da leben ein paar Indigene, die den Fluss als dominanten Herrscher ihrer Umwelt anerkannt und verstanden haben. Er kann ruhig und klar sein, braun und reißend - und wenn er sehr böse ist, dann steigt er hoch und höher und nimmt alles mit, was sich an seinen Ufern niedergelassen hat. 

Derzeit ist er etwas höher als normal und ziemlich braun - suzio nennen sie ihn - da es in den Bergen viel regnet. Jahreszeiten scheint es laut Anwohner nicht mehr zu geben, doch war der Fluss freundlich genug, uns stundenlang auf aufgeblasenen Autoreifen zu tragen. Wir haben uns aufs Wasser gelegt und sind gefahren und gefahren, vorbei an einem Rettungszentrum für Urwaldtiere - wo man übrigens wunderbare Praktika machen kann, vorbei an den Balsaholzschnitzern und den jungen Mädchen, die Wäsche waschen, an den Fischern und Touristenlodges, von denen es hier ein, zwei gibt. 

Der Motorista Juan Hector holt uns unten ab, Pablo nimmt uns mit zu den Schmetterlingen. Später treffen wir Juanito wieder, um den Tag gemeinsam auf dem Wasser zu verbringen, zu schwimmen und zu angeln. 

Ich weiß, ich habe das nun schon des öfteren erwähnt, aber vielleicht habe ich noch nie so etwas Schönes gesehen. Wir sind alle völlig verzaubert und überlegen, wie wir die drei Tage, die wir hier geplant haben, verlängern könne. Doch noch nach Coca? 

Lustigerweise habe ich von Ecuador wenig erwartet. Wollte Roman, meinen Freund seit 23 Jahren, mal wieder besuchen - zuletzt sah ich ihn 1998 in Caracas, wovon er aufgrund der politischen Situation kurze Zeit später verschwinden musste. Nun wohnt er in Guayaquil. Ihn wollten wir besuchen, mit seinen Söhnen Fußball spielen. Ich habe nicht erwartet, dass dieses Land so unglaublich ist. Der Nationalpark Sanguay, auf ca. 5000 Meter Höhe, wo nur noch die indigene Bevölkerung mit ihren Nutztieren unterwegs ist, der Blick auf die Teufelsnase und die vielen aktiven Vulkane. Die Küste, die Berge, die Flüsse - und das Beste, die Galapagos Inseln, die heben wir uns für nächstes Jahr auf - da wollen wir selber mit dem Schiff hinfahren. 

Also, klare Reiseempfehlung für Ecuador!

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