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Uros

Und wieder ein Abenteuer - zwei Tage waren wir nun am Titicaca-See, dem größten Gebirgssee der Welt auf 3800 Meter Höhe. Doch wir waren nicht nur am Titicaca-See wir waren auf dem Titicaca-See...

Wie schon gelernt, leben im Hochgebirge in Südamerika noch einige indigene Völker halbwegs unbeeinflusst von der modernen Technik und dem Stadtleben. So erlebten wir die Bauern in ihren ungeheizten Steinhütten in Gletschernähe und hier, am Titicaca See, den man übrigens nicht mit /k/ spricht sondern mehr guttural /ch/. Der Name hat auch keine Fäkalbedeutung, sondern heißt Puma aus Stein, der Puma war ja neben dem Condor und der Schlange eines der heiligen Tiere der Inka und aus Vogelperspektive soll der See den Körper eines Pumas haben - wobei wir nicht genau verstanden haben, wie die Inkas das vor über tausend Jahren gewusst haben sollen.

Doch zurück zu den Uros. Die Uros leben auf dem gleichnamigen schwimmen den Schilfinseln im Geschützen Teil des Sees. Sobald sie volljährig sind und sich zu Paaren zusammen getan haben, beginnen sie mit dem Bau ihrer eigenen Insel. Dazu benötigen sie ca. ein Jahr und sehr viel Mühe, denn es werden Torfplatten gestochen, diese aneinandergefügt und durch permanentes schichtweises Auftragen von Schilfbelag, entsteht eine ca. 2-3 Meter hohe Insel, die nicht mit dem Boden verankert ist und deshalb manövrierbar bleibt. Also: unten Erde, dann Schilf, Schilf vertrocknet, wir durch die Feuchtigkeit von unten zu Humus, neues Schilf kommt obendrauf, erst alle 7 dann alle 15 Tage und so entsteht eine neue Insel. Insgesamt gibt es davon nun schon 90 mit 1100 Bewohnern. Normalerweise leben auf einer Insel, die alle Namen haben, mehrere Familien in heute eckigen, früher runden Schilfhütten und verdienen ihren Lebensunterhalt mit Fischen, Wasservögeln und Eiern. Einst tauschten sie mit der Landbevölkerung, den Quetchuas gegen Mais und Kartoffeln, so lernten sie neben ihrer Muttersprache Aymara auch Quetchua. Heute sprechen sie auch Spanisch, da es seit 1962 auch eine Schule für die Inseln gibt. 

Doch die Inselbevölkerung hat sich ebenfalls zweigeteilt. Während der eine Teil nach wie vor weit weg von aller Stadtbevölkerung auf dem See treibt (auch ja, die Inseln werden übrigens verankert, wenn sie sich nicht bewegen sollen) hat sich der andere Teil dem Tourismus geöffnet und mittlerweile, also seit knapp 2 Jahren kann man nicht nur ihrem Schmuck und ihre Handwerkskunst kaufen sondern sogar übernachten. Das haben wir ausprobiert ! Cesar hat seine Insel als Lodge umgebaut, d.h. es gibt ein Gästehaus (mittlerweile schon drei), ein Kompostklo und solarbetriebene Wasserpumpen, damit man sich zumindest sie Hände waschen kann. Nachts hat es gerne 2 bis minus 2 Grad und man liegt unter Bergen von tonnenschweren Decken und zwei Wärmflaschen, die übrigens echte Flaschen sind, mit einem Tuch umwickelt. Cesare Frau Luci kocht, bereitet wunderschöne Teller zu, wäscht, putzt, ebenso die Töchter, Nichten und Tanten. Cesar steht mittlerweile eher wichtig mit dem Telefon herum und managt seine Bookinggäste. 

Was soll ich sagen? Die Sicht, die Stille, das Leben - es war völlig unglaublich. Ohne Feuer (brandgefahr) umgeben von kaltem, tiefem Wasser, ohne Strom, ohne Heizung ohne Klo - von Wasch oder Spülmaschine nicht zu sprechen. Kein Computer, nur eine Autobatterie zum Aufladen des Smartphones - allerdings nicht unserer...

Die Kinder waren begeistert. Um nicht zu sagen überglücklich. Für Niko hätte es gut und gerne sein restliches Leben so weitergehen können. Fischen, Eiersuchend im Schilf herumwaten. Dazu der weiche federnde Boden, das unendlich gesunde Essen, da - kein Strom, kein Kühlschrank, kein Fleisch, keine Milchprodukte - etwas Quinoa, ein bisschen Reis, ein bisschen Gemüse und dann Fisch. Zum Trinken nur Tee mit Seewasser. 

Zwei Tage waren schön. Doch, tagsüber sind wir mit dem Schilfboot herumgegondelt und haben alles über die Uros gelernt, die Inseln und die Schule besichtigt - (die leider seit Monaten nicht mehr in Betrieb ist, da die Lehrer seit Juli diesen Jahres in ganz Peru streiken und das Bildungswesen somit komplett lahmgelegt ist. Die Regierung plant nun Kündigungen in größerem Ausmaß und die Lehrer reagieren mit kompletten Straßenblockaden, was die Fortbewegung teilweise sehr verkompliziert.) wir haben mit den Frauen gesprochen und beim Aufbau der Insel geholfen. Doch wir haben auch gesehen, wie Unmengen von Plastikmüll im See herumtreiben, wie durch die Fäkalien von 1100 Menschen (die natürlich offiziell entsorgt werden), die Brackwasser-Bereiche aber dennoch wie riesige Toilettenanlagen riechen. 

Der See ist dennoch wunderschön und so leben wir nun noch zwei Tage auf der Landseite, wieder völlig abgeschirmt von allem städtischen Komfort, zu unserer Lodge mussten wir 200 Meter laufen, da es keine Straßen gibt - uns unser Gepäck hat sich in 8 Wochen nun schon ganz schön vervielfältigt - und nun leben wir auf einem Bauernhof. Seit vier Monaten gibt es hier ein kleines Gästehaus, das wir bezogen haben, ein schwächliches WLAN und einen Tisch auf einem nichtfertiggestellten Haus am See mit herrlicher Sicht und fehlendem Geländer, an dem wir köstliche Mahlzeiten einnehmen. Die Kinder sind mittlerweile wieder umgestellt, essen alles ohne hinzuschauen und sind mit sich und der Welt recht im Reinen. Wir auch!

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Kommentare: 3
  • #1

    Oma u.Opa Haberler (Dienstag, 29 August 2017 12:27)

    Liebe Franziska! Deine Reiseberichte werden immer bunter u. lebendiger. Ein Gefühl von Sehnsucht u. Abenteuerlust wird dabei erweckt. Wir freuen uns sehr, dass Ihr soviel erlebt und glücklich seid. Wir fiebern schon dem Wiedersehen. entgegen und wünschen Euch noch viele schöne Erlebnisse. Liebe Grüße, von Oma u.Opa.

  • #2

    burgi (Mittwoch, 30 August 2017 19:17)

    ihr Lieben,
    gestern haben wir auf Bayern alpha einen Bericht über peru und speziell die uros auf dem Titicacasee gesehen - und heute lesen wir deinen Bericht , frisi, eine wunderbare Ergänzung, die alles noch einmal plastischer werden lässt. Hoffentlich könnt ihr es in einem festen Haus auch wieder aushalten! schwimmende Inseln, Schiffe, es ist eine faszinierende Welt, in der ihr euch befindet. Und morgen geht es nach La Paz?
    Seid aufs herzlichste umarmt, Oma Burgi und Opa Friedl

  • #3

    Elfriede Lex (Samstag, 30 Dezember 2017 21:01)

    Bin begeistert über Eure tolle Reise und die Eindrücke , habe mir mit Euren OPA diese Reise
    und die schönen Bilder angesehen eine wahre Freude und ein großes Abendteuer. Habe letztes
    Jahr schon mit Oma einen teil ansehen dürfen ,Natürlich kommt die Sehnsucht nach der Ferne,
    seid ganz herzlich gegrüßt mit den besten Wünschen zum neuen Jahr Elfriede in Patalavaca .....