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Es regnet, es regnet - die Erde geht unter

Es regnet in Strömen, es gießt, es schüttet - so etwa muss sich Noah gefühlt haben. Es ist angeblich normal. Doch zum Reparieren kommen wir nicht. Und auch die Fenster sind noch in Frankreich...

Peu à peu, Schritt für Schritt, despacito eben, was ja heute so modern ist, kommt die Umstellung. Das Umdenken, das Anpassen. Haben heute all unsere Matratzen, Polster und Decken aus dem Lagerraum in unserem kleinen gemieteten Haus geholt, nur um festzustellen, dass sie komplett nass, verschimmelt und muffig sind. Möglicherweise können Segler nur feuchte Räume mieten. Und dann kam dieser Geruch, der Geruch der nur Segelbooten innewohnt, the boat-smell, as we call it, und damit kam die Melancholie, die Erinnerung an das Leben an Board. Die Stille, die Schönheit, die Unsicherheit, die Angst. Der fehlende Komfort, das Mühsame, das Unpraktische. Und plötzlich ist so ein Haus zwar langweilig aber echt unkompliziert. Ja, die Matratzen sind nass, na und? Dann stecken wir doch den Dehumifier an und trocknen sie eine Nacht. Du stinkst? na und, geh doch duschen… Viel Abwasch, naja, fließend Wasser, wenn auch kalt, aber unbegrenzt. Klo - kein Problem!  Müll? Wird entsorgt! Internet? Wer braucht das schon?! Starker Wind? Mach doch einfach die Tür zu!

Also Haus einfach, Schiff komplex. Haus komfortabel, Schiff mühsam - warum dennoch zurück? Warum nicht von Land zu Land, von Haus zu Haus, von Flugzeug zu Leihwagen? Warum künstlich kompliziert, gefährlich, teuer?

Weil Schönheit, Authentizität, Gemeinschaft und Naturkräfte im Leben eine besondere Rolle spielen. Weil kein Fernseher der Welt das Bild eines Sonnenaufgangs auf hoher See zeigen kann. Weil kein Teambuilding der Welt einer Familie einen überstandenen Sturm vorgaukeln kann. Weil kein interkontinentales Reisen älter ist, als das Schifffahren. Weil kein Geruch schöner ist, als ungewaschene Schimmelbettwäsche unter Sternenhimmel. 

Und doch wird die Zeit an Land erträglicher, einfacher, besser. Habe ich heute mit Noa gesprochen: Möchtest du eigentlich mit über den Pazifik? Oder hast du Angst? 

 - Angst, nein, wieso? Ich weiß nur noch nicht, ob ich Lust habe…

Ach, wie schön war das Leben mit 18! Man glaubt, man wäre unsterblich! Wie gerne würde ich nochmal so denken und fühlen!!

Wenn zwischen den Regenergüssen doch mal kurz die Sonne durch kommt, fahre ich mit den Kindern an nahe gelegene Strände. Sind genauso trashig wie sonst auch alles hier aber natürlich auch ganz cool. Essen Camarones aus Plastikbechern, fahren Bananenboot - sind ja schließlich in Panama  - und Niko, naja, Niko eben. Hat ein Hühnchen gefunden, ein kleines angeschwemmters Küken. Heißt jetzt Popcorn und lebt bei uns. Die Kinder sind so glücklich. Man kann sich kümmern, Niko steht jede Nacht zweimal auf, um zu schauen, ob Popcorn es auch warm hat, morgens bekommt Kuchen und Regenwürmer, Ameisen und frisches Obst. Es wurde noch kein Huhn so gut versorgt in diesem Land wie unser Popcorn…

 

Wär trotzdem schön, wenn es mal aufhören würde zu regnen!

 

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