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Aus die Maus

Schiff im Wasser - Land ade! Das Leben als Segler geht weiter.

Die Zeit tickt voran und auch wenn man das auf dem Wasser nicht mehr spürt, wenn man jedes Gefühl für Zeit und Raum sofort verliert sobald man sich wieder als Wassermensch betätigt, so spürt man doch an den Aktivitäten um sich herum, dass die Zeit, ja, das Jahr vergeht. Nun ist wohl schon der 30.12., in Europa möglicherweise schon noch später, da muss irgendein Abschluss her, ein Ende von Reiseblog 2017. Zumal wir morgen ins Niemandsland aufbrechen, 300 Inseln ohne Handy- und Internetempfang. Ein Abschiedsgruß an alle, welche immer mehr werden, die diesen Blog lesen. Was mich gleichzeitig reut und freut - war es doch als Informiertbleiben für die Familie gedacht - und wurde es immer mehr ein Abenteurerbericht für Interessierte. Aber warum auch nicht? Als wir unser letztes Potluck hier in der Marina hatten und ich kritisch von Umstehenden darauf hingewiesen wurde, dass wir offensichtlich alle versorgen würden, musste ich nicht zögern zu sagen: Ja klar! Das ist eben eine Lebenseinstellung. Gerade heute hatten wir wieder so ein wundervolles Abschiedsessen mit zwei Franzosenpaaren, einem Brasilianer, zwei Holländern - wir haben in fünf Sprachen Uno gespielt, Geschichten ausgetauscht, über Frauen versus gemischte Crews philosophiert. Das war wieder mal das Mark, die Essenz der Reise. 

 

Doch gehen wir ein paar Tage zurück: Zurück aufs Schiff und ins Wasser. Der Abschied vom Haus war, wie jeder Abschied, schwer, traurig und irgendwie schief. Mussten wir doch Josef, den treuen Hund zurücklassen. Starb doch genau an diesem Morgen auch noch unser heißgeliebter Popcorn an den Folgen seiner Verletzung. Wurden an diesem Nachmittag auch noch unsere teuren Makita Geräte vom Schiff gestohlen, weil sich wohl ein Arbeiter zu gering bezahlt gefühlt hat - oder weil es eben einfach da war und so problemlos mitzunehmen. Peter sehr unglücklich, doch hoffentlich kann uns Gregor neue aus der Schweiz mitbringen - ohne Bohr- und Schleifmaschine ist das Leben an Bord nur halb so lustig, respektive kann es gefährlich werden, wenn Schäden nicht adäquat behoben werden können, Wanten nicht durchtrennt, Löcher nicht gebohrt.

 

Doch nun, wieder im Zuhause - ach, es ist so schön!! Die ganzen Gewürze, die man hier hat, die Küchenausstattung, die Spielsachen der Kinder. Kleidung, Bücher. 

Es ist einfach ein Heim. Wenn es auch wackelt, knatscht, schaukelt und schlingert. 

Frida sitzt oft stundenlang auf dem Netz und versinkt in ihre eigene Welt, die Jungs angeln rund um die Uhr, oft müssen wir sie nachts suchen, um sie ins Bett zu schicken, wir können wieder Menschen einladen.

Es fehlten noch ein paar Dinge, das Holz auf den neuen Stufen, dass man nicht ausrutscht zum Beispiel - doch da kamen Michele und Lauren - klar, wir können das, ja, wir helfen euch gerne, nein, natürlich wollen wir kein Geld - Freunde?! Wie erfrischend und herzlich!

 

Nun soll der Wind langsam nachlassen und wir sehen zu, dass wir auf die San Blas Inseln aufbrechen. Es wird gut, mal wieder weiterzukommen, auch wenn es dann wieder heißt: kein Strom, kein Wasser, keine Müllentsorgung. Aber so ist es bei uns wie überall im Leben: Man muss halt nicht alles haben.

 

Gestern sollte ich noch unser Mietauto zurück nach Panama City bringen - geschlagene sieben Stunden später kam ich auch endlich wieder zum Schiff  (Entfernung 120 km)! Alle in Deutschland fragten mich immer: wieso findest du das Leben in Europa so einfach? Also: In Deutschland/Österreich/Schweiz steht an der Bushaltestelle ein Schild auf dem steht: Bus nach … fährt um 15:34 Uhr. Um 15:36 (in der Schweiz um 15:34:02) ist er da gewesen. In Panama City fährt der Bus…wenn er voll ist. Doch dann ist leider ein Unwetter, die Strassen sind überschwemmt, es fährt gar nichts mehr, alles schwimmt, raucht, dampft. Erst friert man wegen der Klimaanlagen, dann erstickt man, da es keine mehr gibt und auch der Regen das Öffnen der Fenster verbietet - dann wird es dunkel, ich habe einen Halbjahreslohn von Panama in bar in der Tasche, drei Elektrogeräte, die es hier nicht mal zu kaufen gibt und bin alleine ohne Handyempfang unterwegs - pfiffig? Nein, aber es geht nicht anders - ja, das Leben in Europa ist einfach! Trust me! Noch ein Beispiel? Mann und Frau, beide ca. 1970 geboren, einer bricht sich einen Rückenwirbel, die andere den Oberschenkel. Breiten- und Längenrad des Geburtsort beinah ident - Nummer eins ist Tip-Top versorgt worden- ja, mein geliebter Bruder ist zusammengeschraubt worden und kann optimistisch einer unbeschwerten Zukunft entgegenblicken. Nummer zwei verletzte sich hier. Liegt in Colon in einer öffentlichen Klinik. Die Blutkonserven, die sie dringend benötigt hätte,  sind schlecht geworden, da es einen landesweiten Stromausfall gab. Die Versicherung zahlt nicht und sie kann nicht damit rechnen, binnen eines Jahres wieder gehen zu können. Ja, eine Entscheidung ist eine Entscheidung, bleibt eine Entscheidung. 

Frohes Neues Jahr!

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