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Paradise Lost?

Nun ist schon der 10. Januar. Zehn Tage im Lande der Gunas, 10 Tage ohne Handyempfang und sonstigen Kontakt zu Außenwelt. Noch immer suchen wir das Paradies, das uns hier versprochen wurde. Einsame Inseln, klares Wasser, super Segelcommunity. So steht es in allen Führern und Reiseberichten. 

Doch scheint es eine Obligation zu geben, immer nur das Positive zu schreiben und alles andere euphemistisch zu umschreiben. Wenn bei Activities: Schnorcheln steht, dann gibt es dort natürlich nichts anderes. Wenn steht: Insel auf der sich Segler gerne zum Barbecue treffen, dann ist dort eine künstliche Guna Siedlung, die drei Dollar Eintritt für das Betreten der Insel kassiert und mindestens 10 bis 20 Dollar Ankergebühr. Wenn toller Platz, passen aber nicht viele Schiffe rein, steht, dann kann man sicher sein, dass nachts mindestens ein Schiff mit draggendem Anker sein wird. Wenn es heißt: Man kann das Nötigste kaufen, dann gibt es etwas Reis mit Dosengemüse und WD 40. Ach ja und Zwiebeln! Ach die Zwiebel! Ein völlig unterschätzter Genuss! Man kann sie zu allem und jedem essen, sie gibt überall Geschmack hinzu und gerne geht das auch roh. Ohne Zwiebel wäre kein Segler froh! Sie hält ewig, fast überall kann man sie kaufen und sie macht aus jedem Dosenthunfisch eine Salat. Aus jedem Hot Dog ein Sandwich, aus jeder Tomatenpampe eine Soße. Zwiebel wir lieben dich mit allen sieben Häuten. 

Und das Ei! Ei, ei. ja, zwar ist jedes dritte schlecht und man gewöhnt sich daran, sie vorher nicht nur in eine Wasserschüssel zu geben, um herauszufinden, ob sie schon schwimmen, wir schauen sie auch einzeln in Gläsern auf, um ihren Geruch und ihre Farbe vorab zu bestimmen. Dennoch haben wir schon genug Kuchenteige, Rühreier und Pfannkuchen ruiniert… Doch was wären wir ohne? Gestern haben wir fünf-Sterne Hotel gespielt, so richtig mir Omelett - Was hätten Sie gerne? Zwiebeln, Paprika, Käse?? Gern, der Herr! Die Dame! Welch Genuss!

Begonnen haben wir unsere Reise auf den Chichime Cays dann Lemon Cays, Carti, Maoqui, Nargana, Kainadup, Sugandup - Nargana-Twon ist eine Art Städtchen, die das klassische Indianerleben aufgegebene haben und nun sogar eine Minivariante Internet haben, ein Geschäft, ein restaurantähnliches Objekt, eine Bank und eine Bibliothek! Wir sind dort etwas herumspaziert, zwischen Schlamm und Müll, zwischen Bambushütten und Betonfundamenten. Die Klos sind alle  sichtgeschützte Vierecke über dem Wasser, also Klo hat halt nur, wer am Rand wohnt. Die Bauten gehen aber gerne auch über den Rand hinaus. Wie sagte Niko? Ich bin so froh, dass ich hier nicht wohnen muss.

Ja, teilweise sind sie schon schön, die San Blas Inseln -  klares Wasser, Palmeninseln und vor allem wirklich viele, viele riesige Riffe, bei denen man phantastisch schnorcheln kann. Langusten, Krebse, Kalamare. Ein wunderbarer Unterwasserspielplatz und eine grandiose Nahrungsquelle. Die Guna sind - völlig verständlich - absolut überfordert mit ihrer neunen Popularität. Die einen nehmen die Yachties - ebenfalls zu recht - nach Strich und Faden aus, die anderen verweigern jeglichen Kontakt und jedwede Form der Kommunikation. Hinzu kommt, dass die meisten Schiffe hier Großchartergesellschaften sind, oft mit 10, 14, 20 Mann an Bord, die Kurztouren anbieten. Hier fließen Rum und Pipi hemmungslos und eine Seglersolidarität, die es sonst so oft gibt und die wir immer so genießen, kommt da gar nicht auf. Ab und zu verteilen wir Schokoladenuchen oder Bananenbrot, wenn uns jemand sehr sympathisch ist, zum Beispiel das alte Ehepaar aus Belgien, das seit Jahren alleine auf dem Schiff wohnt und bei der am Abend immer die alte Dame mit Schnorchel und Sperr loszieht, um im Riff Fische zu Harpunieren oder die französischen Ketchsegler, die alles ohne Motor machen, die so wunderbar anzuschauen sind. Bei ihnen ist Segeln noch wahre Handwerkskunst. Österreicher bekomme kategorisch alle was, bei den Deutschen sind wir vorsichtig und die Schweizer wollen mehr für sich bleiben, wie es scheint. Für die meisten sind wir einfach ein Haufen ungeordneter Köpfe, die sich zu siebt in ein Dinghy für zwei quetschen und dann lauthals Fäkalausdrücke rufen oder alternativ ein lautes Indianergeheul ausstoßen. Ja, so ganz normal ist wohl keiner, der lange Zeit auf dem Schiff wohnt.

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