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Schluss mit Karibik

Zurück die 60 Meilen, über die Eastern Lemon Kays, die ein weiteres Beispiel dafür sind, warum man nicht unbedingt nach San Blas fahren muss, weiter nach Isla Grande, um unseren Schneebesen abzuholen, den wir damals im Haus vergessen haben  - ein Schneebesen ist unabdingbar an Bord - über Portobello, weil wir noch Seitenteile für unser Bimini benötigen, das echt ein super Sonnenschutz ist und der Segelmacher dort wohnt. Und nach zwei Regentagen vor Anker ziehen wir unser Ölzeug an und fahren los. Es nervt der Regen, es nerven die Mücken, es nervt der Schlamm - wir wollen weiter! 

Nun sind wir in Shelter Bay, dem Ausgangsort für den Kanal Transit. Es prickelt ein bisschen hier. Während Linton Bay ein Dschungel Moloch war, mit Toiletten die weder spülten, noch gereinigt wurden, mit Angestellten, die kein Wort Englisch sprachen und meist nicht anwesend waren. Mit einem Boden, der meistens unter Wasser stand und alles schlammig, schimmelig, dreckig, nass, rottig und unorganisiert war, während es leicht nach Verwesung roch… sind wir nun in den USA. Es scheint als hätte ein smarter US Amerikaner noch zu den Zeiten, als ihnen der Kanal gehörte sich hier einen strategisch günstigen Platz gesichert und eine perfekte Marina gebaut.  Es ist sauber, tip-top organisiert, Menschen scheinen hier ausgebildet worden zu sein in dem was sie tun und sie wissen womöglich sogar, wovon sie reden. Es gibt WARMES Wasser in den Duschen, die drei Mal täglich gereinigt werden, es gibt Klopapier!!!, fließend Wasser und sogar einen Minisupermarkt. Könnt ihr euch das vorstellen? Doch es wird noch besser: Es gibt 220 V UND Internet! Wann hatten wir das zuletzt? Ich kann mich kaum erinnern. Hier sind sogar Kinder, haufenweise, ein Restaurant, ein Schiffbedarfsladen und eine communal BBQ zone, bei der täglich Treffen, Aktivitäten und Austausche stattfinden. Wir snd völlig überfordert. Wir sitzen wie gelähmt auf dem Schiff und wissen vor lauter Möglichkeiten nicht, wo anfangen. Man kann waschen, einkaufen, schwimmen, essen, reparieren und rumhängen und plaudern - hey! Und dann geht es weiter, weiter, weiter - der Kanal ruft, der Pazifik lockt, immer mehr Menschen treffen wir, die uns erste Tipps geben, Lust machen auf die Marquesas, Vietnam, Singapur, Australien, Mexiko, Galapagos - schön, ist die Welt so groß ist und das Segelns so grenzenlos!

Doch bevor wir das Abenteuer erleben dürfen, ein Land zu durchqueren, um den Ozean zu wechseln stehen uns noch ein paar Hürden bevor: Erst muss man ein Formular einreichen, dann bekommt man einen Vermessungstermin  - der ist morgen. Dann bezahlt man 1879 US Dollar in bar bei der Citybank ein, wobei man das erst mal schaffen muss, denn es warten einige schwindelige Gestalten davor, die genau erkennen warum ein Segler die Citybank in Colon betritt und wieviel Geld dieser dabei hat - ob wir die Machete mitnehmen? Wenn man das überlebt und schafft, dann bekommt man einen Durchfahrtstermin - hoffentlich kommende Woche - und dann? Man braucht Fender, Leinen, 4 Linehandler, Geld, Geduld und Mut. Und Glück, wie immer...

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Kommentare: 2
  • #1

    Sigrid (Sonntag, 21 Januar 2018 19:59)

    Vielen Dank, daß Ihr uns weiter an Euren Abenteuern teilhaben läßt. Wir wünschen Euch ein gutes Neues Jahr, viel Freude, Gesundheit, Glück - und immer Wind in den Segeln.

  • #2

    Barbara (Sonntag, 21 Januar 2018 20:49)

    Schon wieder so viel Seglerjargon - da bin ich doch nicht gebildet drin!! Was ist Bimini, Fender (Ich kenne Fender Stratocaster oder Telecaster! Ha!) Linehandler, und ist der Schneebesen für die Weinschaumsauce oder wofür sonst? Liegt die Antarktis auch auf eurem Weg (vielleicht komme ich doch noch, denn ich will wissen, ob es als Pendant zu den Nordlichtern, die ich so liebe, auch Südlichter gibt. Aber Arktis ist mir lieber. Ihr wisst: ich träume von Spitzbergen, Franz-Josefs-Land, Kamtschatka oder auch Wrangelinsel. Also, wenn ihr da vorbei kommt, bitte Bescheid sagen, ich stehe dann auf einem Eisberg und komme mit!) Kommt ihr wenigstens nach Taiwan, da war ich schon und kenne eine Musikerin dort. Die kann euch die Teeplantage ihrer Familie zeigen (ich muss doch beweisen, dass ich auch schon irgendwas von der weiten Welt gesehen habe..)
    Aber dieses ewig feucht, warme -- da leide ich im Sommer schon hier, wenn das Hygrometer auf die 80% klettert und nichts mehr trocknet. Und 28 ° in der Nacht???? Grauenvolle Vorstellung... Ich habe bei 17° schon Schweißausbrüche, was würde bei 28 ° und gefühlten 150% Luftfeuchtigkeit mit mir geschehen? nIcht auszudenken! Und bitte, bitte grüße den Pius immer auf das Allerherzlichste! Die anderen natürlich auch, aber ihn aus bestimmten Gründen besonders! Und NOa möge aus jedem Land ein LIed mitbringen!