Pazifik 1

Seit drei Tagen sind wir nun schon unterwegs. Es zieht sich ewig. Gefühlt sind es schon jetzt eher 10 bis 14 Tage. Immerhin ist es bisher ruhig, fast schon zu ruhig. Tages ETMALe von 120-130 nm lassen keine großen Sprünge zu. Und ewig dieser Zwiespalt: langsam ist sicherer, sicherer ist langsamer und die Fahrt dauert noch länger. 20 Tage haben wir geplant, plus minus 1 Tag. Es wäre schön, wenn wir das einhalten könnten. 

Wir haben den Kindern eine Art Adventskalender gemacht, damit sie einschätzen können, wie lange diese Situation dauert. Doch den Kindern geht es, zum Glück, sehr gut. Die intensive Zeit, die wir hier mit ihnen verbringen, tut uns als Familie gut. Frida liest jeden Tag mehrere Seiten. Niko malt phantastische Bilder und auch er kommt gut im Lesen weiter. Pius liest auch und macht sehr gute Fortschritte in den mathematischen Basiskompetenzen. Unsere - bisher immer gleichen Tage - sehen folgendermaßen aus: 

Um sieben oder halb acht gibt es Frühstück, Brot aus eigenem Sauerteig, selbstgemachter Joghurt, frische Früchte, Pfannkuchen oder Haferbrei. Tee und Eier. Oft sitzen wir bis halb neun oder neun, erzählen uns von der Nacht und planen die Aufgaben für den Tag. Dann ist Lernzeit. Mathematik, Lesen, Schreiben und Englisch sind die täglichen Aufgaben. Oft schreiben wir Erfahrungsberichte, Briefe, Geschichten. Manchmal lesen die Kinder in ihren Lexika, ihren Romanen. Dann wird oft noch gemalt und gebastelt. Emotionsketten aus Muscheln, Meeresbilder, Frida schneidet eifrig - das haben wir bisher irgendwie etwas vernachlässigt - es fällt einem ja auch nicht als erstes ein auf einem schwankenden Schiff einem kleinen Kind eine Schere in die Hand zu drücken. 

Gegen 11 oder 12 kochen wir dann gemeinsam Mittagessen. Salat - solange es noch gibt, Nudeln, Minestrone, Reis, Fisch; noch sind wir nicht beim Dosenessen angelangt. 

Nach dem Mittagessen ist Pause, die Kinder dürfen iPad spielen, Film schauen, lesen, egal - ich schlafe oft noch ein bisschen, Noa liest oder hört Hörbücher, Peter segelt oder wir wechseln uns ab. Gegen drei oder halb vier ist dann freie Zeit. Also Kartenspielen, Backgammon, Scrabble, Memory. (Wir können mittlerweile an die 40 verschiedene Kartenspiele.) Abendessen ist gegen 18:00 Uhr. Davor oder danach sitzen wir oft vorne und bewundern den Sonnenuntergang der direkt vor uns abläuft. Am Abend gibt es dann Vorlesen für alle, die Segelstrategie für die Nacht wird besprochen und dann verteilen wir uns langsam in Betten und Wachen. Noa von 21-24 Uhr, ich von 24-03:00 Uhr und Peter von 03:00 bis 6:00 Uhr. Dann übernimmt Niko beziehungsweise die Kleinen.

Bisher läuft es gut. Keiner ist völlig übermüdet, das Wetter ist herrlich und alle sind satt und zufrieden. 

Eine sehr lustige Begegnung hatten wir noch auf offener See, was speziell beim Pazifik äußerst selten ist: Ein großes Fischerboot, inklusive Helikopter auf dem Dach und große Schleppnetze hinten fuhr sehr nah vor uns vorbei. Brav schalteten wir AIS und VHF ein und schon bald ertönte auf Kanal 16: Shilling ship, Sailing ship - is anybody there? I exchange yellow fin tuna for Whiskey! Do you have Whiskey?  - Sorry, nein. Haben wir nicht! Und Fische fangen wir auch gerne selber - außerdem wüssten wir echt nicht, wie wir uns bei diesen Wellen treffen könnten… Aber danke für das Angebot… Aber ich geb auch so Fische! Ich habe echt viele… - Ein anderes Mal gerne! Over!

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