Pazifik 2

Erst wenn die letzet Zwiebel geschält, das letzte Ei geschlagen und die letzte Banane ergelbt ist, werdet ihr merken, wie groß der Pazifik ist! 

  - oder -

 das Stockholm-Syndrom!

Noch zwei Tage, noch einen Tag! Wir zählen rückwärts, schließen Wetten ab, wann wir ankommen - und wissen irgendwie echt nicht mehr, wie wir die Kinder noch beschäftigen können. Das Essen geht zur Neige, die Spiele sind alle schon gespielt, die Aufregung ebbt ab. „Kinder, noch einen Tag! Nun haben wir es bald geschafft!!“ „oh - ehrlich? Wie schade! Es ist so schön auf dem Meer!“ „Wie bitte!?“ 

Ist das das Stockholm-Syndrom? Verlieben sich die Kinder nun in ihren Peiniger? Ihren Kidnapper, der sie ihrem natürlichen Lebensraum entzieht? Oder gibt es tatsächlich so unterschiedliche Wahrnehmungen? „Kinder, was ist denn so schön?“ Wir dürfen auf dem Tisch schlafen, zum Abendessen gibt es Popcorn vorm Computer, wir fangen täglich Blue Marlins oder Mahi Mahis, nachts dürfen wir aufbleiben und Sterne anschauen, es gibt täglich Nudeln und Pfannkuchen, wir dürfen Computer spielen und ihr habt immer Zeit für uns...

Tatsächlich! So betrachtet sind wir in verschiedenen Sphären unterwegs. Für uns ist es Dauerwachen, von einem Regensquall durch den nächsten manövrieren, mehrmalige Segelwechsel und einstellungen pro Tag. Findet man irgendwann und irgendwo eine halbwegs weiche Unterlage, fällt man gierig wie eine Scholle darauf und schläft sofort tief und traumlos ein, bis dass das nächste Segelschlagen, die nächste Bö einen panisch hochschrecken lässt. 

Noch immer ist kein Land in Sicht, wie gern würden wir mal wieder E-Mails abrufen, irgendein Lebenszeichen von Daheim hören. Vielleicht telefonieren?

Aber, und nun kommt die dritte Relativierung - bisher, und es sind nur noch 180 nm- bisher läuft diese Reise wie geschmiert. Das Schiff, dieses wunderbare Schiff, fährt wie auf Schienen. Schnell, ohne Probleme, Schäden, Dramas. Alle sind gesund, nicht mal eine kleine Verletzung können wir vorweisen. Keine Krankheit, kein Zusammenbruch. Bis auf dass wir alle stinken wie die Iltisse - letzte Süßwasserdusche am 25.01.2018 - hier an Bord nur Salzwasser-washdown, seit Wochen keine frische Wäsche. Wir bewegen uns in einer Blase aus Körpergerüchen, wenn auch bewegen etwas viel gesagt ist, denn Bewegung kommt definitiv zu kurz, Yoga bei 3 Meter Wellen ist mehr als anspruchsvoll und so groß sind die Runden, die wir hier an Deck joggen können, auch nicht. Also begnügen wir uns mit dem täglichen Aufsammeln von Fliegenfischen und Squid, die permanent auf Deck landen. Die Squid mit ihren Riesenaugen scheinen darüber noch erstaunter als wir. Ab und zu ein Drill mit einem Fisch, das anschließende Filetieren gilt ab einer gewissen Größe auch schon als Sport durch. 

Mittwoch ist unser Mantra, Mittwoch, Mittwoch, das uns durch die Nächte bringt, die gleißenden Tagesstunden verkürzt, die diffusen Morgenstunden begleitet, die letzten Sonnenstrahlen des Tages unterstützt.

Was wird uns dort erwarten? Inseln mit unaussprechlichen Namen, niegehörten Städten - Fata Hiva, Hiva Oa, Nuki Hiva, Taiohae, Rikitea. Nun endet die bekannte Welt, die Vertrautheit. Hier war ich noch nie. 

Doch eine absurde Info noch zum Abschluss: All das gehört zur EU

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