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Tuamoutus / Happy Birthday Peter

Wieder zwei Tage auf See, wieder zwei wache Nächte. So richtig Lust hat derzeit keiner auf diese Überfahrten. Mit anderen Seglern in Buchten liegen und plaudern ist viel lustiger. Doch wir sind angekommen, haben doch auch den Plan, am 22.04. in einer Marina auf Moorea zu sein. 

Pius wünscht sich eine Shoppingtour im Carrefour, er hofft auf europäisches Obst und Gemüse.

Wir sind schiffsintern schon ganz schön an unsere Umgebung angepasst. Es gibt Bananenbrot uns selbstgekochte Papaya Marmelade, es gibt Limettenlimo und Brotfruchtpommes.

Auch die Kinder haben sich geschmacklich gefügt, wobei Frida noch immer glaubt zu sterben, wenn es keine Kinderschokolade für sie gibt. 

Nun liegen wir in der Lagune von Takaroa, ein Atoll das laut unserem Führer unbefahrbar ist, es ist auch nicht kartographiert, doch da sind wir mit unseren vielen Augen im Vorteil. Auf jede Bugspitze zwei Leute, einen an den Tiefenmesser und einer am Steuer. So können wir bei günstigen Lichtverhältnissen problemlos fahren. Zumal, und da war das Glück mal wieder mit den Dummen, wir nach fast 60 Stunden Überfahrt auf die Minute genau zur Slack-Zeit (nur alle sechs Stunden) angekommen sind, sonst kommt man aufgrund von Strömung/Welle gar nicht in die Lagune rein. Welch ein Timing!

Doch der nächste Morgen, Freitag, der 13., begann nicht gut. Das Dinghy war weg. Niko und Peter sind also an Land geschwommen, ein Einheimischer hat sofort die Lage erkannt, sein Boot angeschmissen und ab ging es durch die Lagune. Schon im nächsten Ort wurden sie fündig. Ein Familienvater hat das Dinghy im Kanal treibend morgens um vier gefunden und gerettet. Selbstverständlich haben wir ihn zum Frühstück auf unser Schiff eingeladen, haben Kaffee, Poison Cru und Brot aufgetischt und uns bestens unterhalten. Bei unserem Dorfspaziergang wurden wir allseits angesprochen, auch von der lokalen Polizei, ob wir eh schon unser Dinghy zurückhätten - er habe das ganze Dorf beauftragt uns zu verständigen… Nachmittags holte uns Fernando zur Schnorcheltour durch den Kanal ab. Auch draußen auf dem Riff waren wir tauchen, fast drei Stunden, mit Frida - eine unglaubliche Unterwasserwelt voller bunter Fische und Haie. Die Korallen sind eher farblos, doch so viel Leben hatten wir selten. Schließlich ließen wir uns mit der Strömung durch den Kanal treiben, es war wie ein Unterwasserfilm, weil man so mit drei bis vier Knoten an den Riffen vorbeitrieb - Noa und Attila trieben gar ein bisschen weiter uns hatten eine Art Nahtoderlebnis, als die Strömung auf stehende Welle traf. Doch wir konnten sie schnell retten, besahen uns dann noch die Fischfalle, die die Einheimischen seit über 300 Jahren hegen und pflegen, eine Art Labyrinth auf einer Koralleninsel in der Mitte der Lagune. Sie versorgt alle Anwohner mit Fischen. Allerdings auch Haie und Fregattvögel. Wir sahen Fernando und Attila, einem 30 jährigen Einhandsegler auf einer 7 Meter Sloup, noch ein bisschen beim Harpunieren zu - faszinierend, wie die sich auf den Meeresboden legen, umkreist von Haien, vorbeischwimmende Fische abschießen und sie möglichst festhaltend an die Oberfläche bringen, um nicht mit den Haien um die Beute zu kämpfen. Am nächsten Tag wurden wir erneut von Fernando betreut, es scheint immer so Art Patenfamilien für die Segler zu geben, die im Austausch gegen Benzin und Angelausrüstung Ausflüge machen und com Leben auf dem Atoll berichten. So gibt es zum Beispiel auf den meisten Atollen keine Perlenfarmen mehr, wie wir erfahren haben, da durch El Niño das Wasser in den Lagunen schmutzig braun wurde und die Austern alle gestorben. Nur noch die geschlossenen Atolle können zur Perlenzucht verwendet werden. 

Abends hatten wir mit den beiden anderen Schiffen, die sich auf dieses Atoll verirrt hatten eine spontane Party, Fisch von Attila (Ungarn) und Kate (Montreal), Bier von den Amerikanern aus Los Angeles und haben mit dieser absurden Mischung (zwischen Pamela Andersson und Robert Redford aus all is Lost) einen sehr lustigen Abend verbracht. 

Derzeit sind wir auf dem Weg nach Rangiroa - dem nächsten Atoll.

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Donnerstag, 19 April 2018 22:36)

    Ach, wie schön wieder zu lesen die schnellgeschriebenen Kommentare von Frisi, die mir eine so ferne Welt vor Augen führen, kluge Sozialerfahrungen nahe bringen und mich irgendwie an eurem Leben teilhaben lassen! Danke dafür!
    Ich leben zwischen Flyern erstellen, Kulturausschusssitzung, der über mir bedrohlich hängenden Festschrift, deren Redaktionsschluss immer nähter rückt (30.6.), Konzert am Comer See an Pfingsten, einer GynOP am 14. und immer wieder schöner Natur hier, aber auch der großen Trauer über das Dahinsterben derselben....
    Lasst es Euch gut gehen und ich überlege schon immer, welche Flaschenpost zu Pius Geburtstag ankommen könnte....