· 

Vielikids statt Philocat

Wenn wir schon mal bei der Wahrheit sind, bei den ganzen unangenehmen Seiten dieses Traums Aller - wieso nicht gleich weitermachen? 

Die Maori, Volk des Pazifiks, seegereist seit etlichen Jahrhunderten, die diese Inseln, von Hawai über die Osterinseln bis hin zu gesamt französisch Polynesien, Cook, Fiji und Tonga, bevor also die Europäer der Ansicht waren, dass wo auch immer sie hinkamen, sie ihre Fahnen in den Boden stecken durften, sich auf die Brust klopfen und „Meins, meins!“ schreien, haben ja diese für sich genommen eine sehr interessante Art zu musizieren. Morgens spielen sie gerne die Ukulele und lassen dazu ihren lieblichen, langsamen, gar einlullenden Singsang hören, vor Supermärkten, Telefonzellen, in Hafenbecken. 

Abends jedoch, jeden Abend übrigens, da erwacht das „Wilde“, da tummeln sich auf den Inseln die Trommler, da tanzen die Tätowierten, da jauchzen die Jewöhnlichen. Es ist die Zeit, wo man als Tourist erinnert werden soll, an all das Kanibalische, das Exotische - und ganz ehrlich - es nervt! Ja, sie schlagen die Trommeln schneller und wilder, sie strecken ihre Zungen raus und zeigen die Hinterteile - really? Na und? Nackte Ärsche sehe ich täglich bei meinen Kindern, Zunge zeigen versuche ich zu unterbinden und wenn ich Trommeln hören will, kann ich wenigstens ab Schlafenszeit das Volumen runterdrehen…

Ja, voll unromantisch! „Fahr doch nach Hause, schau fern, erfreue dich an den europäischen Ruhezeiten!“ Aber Leute - ich bin, was? 20 000 Kilometer von Zuhause entfernt? Ich kann nicht so einfach nach Hause kommen. Ich sitze hier weit draußen auf dem Ozean, auf irgendeinem Ozean der mich an der nächsten Stelle auf die andere Seite von Europa führt, mein nächster Stopp ist die Datumsgrenze, in Australien beträgt der Zeitunterschied läppische 20 Stunden - und ich soll kein Heimweh haben? Nein, wir sind keine Vorbildweltreisenden; fasziniert von allem Fremden, begeistert  von allem Neuen, Unbekannten, Anderen. Nein, wir wissen unsere Privilegien nicht zu schätzen. Leider! Vielleicht später, vielleicht, wenn wir zurück sind und uns abends am Küchentisch und auf dem Wohnzimmersofa langweilen. Dann sehnen wir uns zurück nach diesem Rhythmus, diesem Klang der Südsee. Possibly  - may be. 

Aber dann, dann erinnern wir uns daran, wie schwierig es war, die Schulbücher von Tahiti nach Bora Bora zu bekommen, dass einer von uns entweder hinfliegen oder hinsegeln musste, dass wir fünf Menschen brauchten, um die Lieferungs-Kette zu vervollständigen - dann, genau dann, tippen wir fröhlich bei Amazon -  oder einer politisch korrekteren Einrichtung -  auf:  „send express“ und beschleunigen die Zeit unrhythmisch, doch genauso effizient!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    oma+opa=graz (Freitag, 11 Mai 2018 12:48)

    Wir lesen immer mit großem Interesse Eure Blogs und erfreuen uns sehr daran.. Es ist ganz natürlich, daß auch das paradiesischte Leben, einen einmal anödet und man sich einen Apfelstrudel oder leckere Marillenknödel zur Gemütsaufheiterung wünscht. Unser Garten ist ein einziges Blütenmeer und wir geniesen in sehr. Gestern waren wir auf dem Schöckel mit Leo bei Prachwetter. Am 1.Mai waren wir am Krummeneggerhof vom Peter Rosegger, er war aber leider nicht zuhause. Stefan ist mit seinem old Onkel Hans nach Murter gefahren um sein Boot see-und wetterfest zu machen. Wir gehen heute shoppen (Mama hat Geburtstag u. Muttertag). Eva hat uns zum Muttertag zu sich nach Hause eingeladen. (Mmmmm). Es wäre schön wenn Ihr da wäret. Ihr geht uns schon sehr ab.Vielleicht gibt es bald ein Wiedersehen. Bis dahin liebe Grüße und Küsse von uns.