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Land in Sicht! Tonga

Land in Sicht!

 dieser Ausruf, bisher meist bekannt aus Abenteuersagas, kommt uns permanent nicht nur in den Sinn sondern auch aus dem Mund. Schon Frida steht morgens auf, schaut auf den Horizont und schreit, so es denn zutrifft, das entsprechende Diktum. 

Auch dieses Mal freuen wir uns nicht weniger als sonst.  Und für mich hat es gar noch eine andere, viel tiefere Bedeutung, denn 1990, ich war ca. 12 Jahre alt, fuhr mein Vater mit meinem Bruder hierhin, nach Tongatapu, und ich musste mit meiner Mutter zuhause bleiben. Bis heute ist mir diese Entscheidung unverständlich und ich freue mich deshalb umso mehr, dass ich nun auch hier ankomme. Tonga, die Inselgruppe die mir bisher nur aus Fotos und Erzählungen bekannt war als eines der Dinge, die mir bisher verborgen geblieben sind. So mussten ich halt hersegeln! 

Es ist ein sanftes Ankommen hier. Da Sonntag ist, können wir erst morgen einklarieren. Wir legen uns also in stockdunkler Nacht in eine Bucht, die Peter, als sorgfältiger Kapitän, in weiser Voraussicht ausgewählt hat, da die Einfahrt korallenfrei und ziemlich geradeaus ist. Wir liegen an einer Mooring, es ist still, dunkel und herrlich friedlich. Das Wasser ist klar, wir schwimmen, schlafen, essen und entspannen. Diese langen Fahrten, diese unsicheren Ankerplätze und abenteuerlichen Pässe durch die Korallen, diese Nachtfahrten durch die Squalls und hohen Wellen, sie sind anstrengend. So bedürfen wir alle dringend dieser Pause. Ein Tag unter Quarantäne, Mit gelber Flagge dürfen wir nicht an Land, wir bestaunen die Südseekulisse vom Wasser aus, hören die vielen Vögel und sehen die Fische unter uns durchtreiben. Peter und ich reinigen das Unterwasserschiff, das in diesen Gewässern permanent Algen ansetzt und kratzen die Muscheln ab, die sich in die Ausflüsse setzen. Die Kinder schnorcheln. Wir lesen, lungern, lernen. Morgen klarieren wir ein uns begeben uns seit langer Zeit mal wieder an Land.

Und endlich haben wir wieder geschützte Ankerplätze, gerade rechtzeitig für die Schlechtwetterfront, die ab morgen, ja morgen  - denn eigentlich war es Donnerstag, als wir losfuhren und nun ist es Samstag, aber geschlafen haben wir nur einmal kurz! Es ist verwirrend! Mehr als verwirrend! Diese Datumsgrenze, die Freitag den 25. Mai einfach verschluckt hat, so bleibt Onkel Harry für noch ein Jahr 46, wir haben diesen Tag einfach nie erlebt und sprechen seit heute Morgen über die Konsequenzen. Was bedeutet es faktisch einen Tag in diesem Jahr nicht erlebt zu haben? Es ist nicht so, dass es kurz Freitag war - er war einfach weg! Und wie schwer war es, dafür die Wind- und Wettervorhersage zu deuten, zu verstehen, was es heißt von UTC -11 zu UTC -13 zu wechseln? Erst wart ihr alle 12 Stunden voraus, nun sind wir über die magische Grenze gefahren und haben den Headstart? Es ist so absurd! Und nicht viel weiter liegt der 180. Längengrad West, dann heißt es: Ab jetzt fahren wir wieder nach Hause! Ab Australien haben wir dann auch wieder ein Handynetz, vermutlich sogar Internet - die Flügel werden wieder bezahlbar, die Strecke vorstellbar - nach all dieser vielleicht kurzen aber dennoch so fernen Zeit geht es dann wieder Richtung Europa! Ja, wir vermissen euch! Ja, wir träumen von Zuhause, von den Menschen, vom Essen, vom Komfort.

 Doch, wir genießen die Ferne, die Andersartigkeit, die Sehnsucht, aber der Wunsch nach Vertrautheit, nach Bekanntem und Bekannten - der bleibt!

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Kommentare: 2
  • #1

    Oma+Opa aus Graz (Dienstag, 29 Mai 2018 21:35)

    Es ist wunderbar so viele fremde Eindrücke erleben zu dürfen. Trotzdem freut man sich wieder auf Zuhause, und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen. Jetzt haben wir Euch auch noch auf dem Handy gesehen und freuen uns, daß es Euch so gut geht und u. daß Ihr glücklich seid..Alles Liebe und viele Küsse u. Drücker von Oma u. Opa.

  • #2

    Barbara (Dienstag, 29 Mai 2018 21:37)

    "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit " und sei es nur der Freitag, der 25. den wir am Comer See verbrachten mit dem Besuch der Rieseneiche Rogolone, einem Strandspaziergang, alten Burgen, mittelalterlichem Dörfchen und italienischem Abendessen....
    Wir haben ihn einfach für Euch miterlebt.
    Was erlebt Ihr alles! einfach unglaublich! Pankraz und ich sprechen oft davon und er ist immer voller Bewunderung.
    Wie gesagt: ich erwarte an langen Winterabenden (lese gerade von Karl Klostermann: Waldeinsamkeiten - über das Leben vor über 100 Jahren im Böhmerwald - sehr gut und zieht mich völlig in einer andere, ganz andere Welt) die Berichte - siehe oben!
    Tausend Grüße an Euch alle von der Barbara und Pankraz