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Tonga Tonga

viel länger als geplant sind wir nun schon hier, was nicht nur am schlechten Wetter liegt, sondern auch daran, dass wir alle wirklich Gefallen an dieser Inselgruppe gefunden haben. Seglerisch ist es der reinste Spielplatz mit vielen Buchten und Stränden, sicheren Ankerplätzen und Moorings. Die Stadt ist klein und idyllisch und versorgt uns mit dem Nötigsten - zum Beispiel Nutella! Wir haben Hightech Internet, das sicherlich beste seit Panama City. Die Menschen sind wahnsinnig freundlich und das Essen essbar. Wir können Wäsche waschen und abends mit der World ARC und den ganzen Expats aus aller Welt Partys feiern. 

Im Botanischen Garten durften wir Hamaneli kennenerlenen, der uns als ehemaliger Landwirtschaftsminister allerlei über die Fauna, Menschen, Klima und aktuelle Inselprobleme erzählen konnte. Dazu trank er viel Bier und lachte noch mehr. Vor allem über seine eigenen Hitlerwitze. Er hat uns an einen Freund aus Jamaika erinnert, so wie Niue ähnlich den Cayman Inseln war - es wiederholen sich also Menschen, Landschaften und Szenarien, nun auch in Atlantik und Pazifik. Ob sich alles permanent wiederholt im Leben der ob der Kopf einfach irgendwann voll ist und nur noch in Muster und Schemata sortieren kann?  

Heute waren wir noch in der katholischen Kirche von Neiafu, da wir letzten Sonntag die Gesänge gehört haben und es so schön klang, dass wir gerne teilnehmen wollten. Tatsächlich war es überwältigend. Das Bedürfnis dieser Inselwelten, die so sehr Wind, Wetter und Gezeiten ausgesetzt sind, nach etwas zum Festhalten, nach Trost, Schutz und Gemeinschaft, das war wahrhaft beeindruckend. Ich bin ja weiß Gott kein gläubiger Mensch, aber dieser Gesang, diese Innbrunst, diese Perfektion, mehrstimmig, mit Soli die kreuz und quer durch das eher spartanische Kirchenschiff hallen, der Dirigent, der die gesamte Gemeinde wie einen einzigen perfekt einstudierten Chor leitet, die Mühe, mit der sich alle Bewohner herrichten, mit Kleidern, Bastmatten, Stöckelschuhen schon für die Kleinsten, mit bunten Gürteln und klingenden Ohrringen und glitzernden Oberteilen. ns liefen die Tränen runter! Männer, Frauen und Kinder sind gleichermaßen geschmückt. Für Gott, für den Sonntag und für alle anderen Dorfbewohner zum Staunen. Die Kirche hier ist das Herz des Ortes. Die, die nicht in die Kirche gehen, die haben einen anderen Glauben gefunden, eine andere Art, Schutz zu suchen und Parallelwelten zu erschaffen: Sie saufen! Mit einigen wenigen Ausnahmen scheint es auf den Inseln die Wahl zwischen Gott und Alkohol zu geben. Rausch gegen Gebet, Glaube gegen Vergessen.

Ab Dienstag geht es dann weiter, über Fiji nach Neukaledonien. Ja, die Route ändert sich permanent, wir erfahren Neues, adaptieren, bereiten vor.

Die Check-Ins sind schrecklich. Für Australien mussten wir nun jede Seriennummer von allen elektronischen Geräten an Bord auflisten, für Indonesien brauchen wir Heirats- und Geburtsurkunde sowie Visa, die wir in Noumea bei der Botschaft beantragen müssen, eine Versicherung über 10 Millionen US Dollar und ein fünfseitiges pdf ausgefüllt und abgeschickt schon mal im Voraus. Das nervt, wenn ich es andererseits auch gut verstehen kann, denn gibt es wohl kein besseres Schmuggelutensil als eine harmlose Segelyacht, die sich leise und unerkannt durch alle Länder dieser Erde schleicht, die dicken Bauchtaschen zum Bersten gefüllt, unerforschbar, oft schwer zugänglich und gerne weit und anonym unterwegs.

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Kommentare: 2
  • #1

    Burgi Strobl (Sonntag, 03 Juni 2018 08:55)

    Liebe Frisi,
    hab Dank für den plastischen Tongabericht genau zum Frühstück, der uns die Erdbeertorte (Gartenfrüchte!) besonders gut schmecken ließ.
    Welcher Glaubensrichtung gehört diese Gemeinde an?Friedl vermutet eine evangelische Freikirche aus den USA dahinter - stimmt's?
    Viel Glück und Gesundheit auf der Weiterfahrt - wow, und dann habt ihr den Pazifik überquert!
    Und danke für die schönen Bilder!
    Oma aus Bielefeld

  • #2

    Barbara (Sonntag, 03 Juni 2018)

    Ja, da danke ich auch sehr herzlich für diese informativen und klugen Berichte! Tonga war für mich immer so das Land, das am allerallerweitesten weg ist und nur Friedl war dort (den Matthias habe ich aus Tonga verdrängt, der war für mich nicht dort) und jetzt ist es wieder ein kleines Stückchen näher gerückt, so ein ganz kleines bißchen.
    Sommerwetter im Garten, gestern Musiknacht der Stadt natürlich mit Musikschule. sehr erfolgreich. Mächtig Druck im Nacken, weil ich die Festschrift machen muss.....Aber heute noch Geburtstagsfest einer lieben Freundin.
    So ist das Passauer Leben: normal, friedlich, schön - und mit viel Arbeit, die ich zwar gerne mache, die mich aber - bevorzugt frühmorgens - etwas überrollt. wenn ich dann dran bin, geht es wieder. Und dann tun die Gedanken, die in die Ferne schweifen so Richtung Südsee ganz gut!
    Dank und herzlichste Grüße an Euch - vor allem den Pius!
    Pankraz grüßt auch. Wenn er momentan in die Stadt geht, ist es wie ein (positiver ) Spießrutenlauf: alle Welt redet ihn an, dass er doch wieder Intendant werden soll und seine Zeit die Allerbeste für die Festspiele war. Dazu muss man wissen - und ich vermute mal, dass die Europäischen Wochen auf Tonga doch noch nicht so bekannt sind , dass es gerade eine Riesenkrise in den Festspielen gibt: kein Intendant (wurde rausgeworfen, zu Recht), ein chaotischer und schlechter, weil überforderter Vorstand und fast alle Mitarbeiter gekündigt. Und das kurz vor den Festspielen ....Schlimm. Pankraz leidet sehr (obwohl es natürlich eine große Bestätigung seiner guten Arbeit ist).
    (Groß)tante aus Passau