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Weder Bula Bula noch Sevusevu für uns!

Für viele Weltumsegler sind sowohl Tonga als auch Fidschi Orte, an denen sie viele Wochen und Monate verbringen. Für uns sind sie ein reiner Zwischenstopp. Zwar waren wir aufgrund des unbeständigen Wetters deutlich länger in Tonga als geplant - und das hat uns eigentlich auch richtig gut gefallen. Nicht nur diese völlig geschützten Ankerplätze, nach der unbeständigen Zeit in „the dangerous middle“ , sondern vor allem der Service, das endlich funktionierende Internet - denn einer der Hauptaspekte, der uns wirklich fehlt an Board, ist der Kontakt zu Freunden, Familie und Heimat. Wir sind nicht die völlig schwebend losgelösten, die glücklich durch den Äther treiben und keine Wurzel und Anknüpfungspunkte mehr brauchen, allein schon geschuldet durch unsere Kinder, die ja einfach noch andere Bezugspunkte wünschen als unsere bescheidenen Ansichten. 

Also wollten wir eigentlich Fidschi ganz weglassen und gleich nach Noumea fahren, um schneller in Australien zu sein. Doch das Südpazifikwetter, das entweder viel milder und friedlicher ist als der atlantische Südostpassat, oder aber, wenn dann, noch viel wilder, mit umeinschätzbaren Squalls bis 50 Knoten, hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. So sind wir die 260 Meilen bis zur Lau Group beinahe durchmotort - sehr untypisch für und  haben (sogar mit Landfeste!) geankert, um das durchziehende Tief abzuwettern. Wir liegen hier ohne einzuklarieren unter Quarantänefahne vor einer herrlichen Felseninsel, um uns herum lauter brütende Boobies mit fetten flauschigen Babys, das Wasser von einer Farbe die jeder Beschreibung trotzt. So verpassen wir zwar das für hier typische Sevusevu, eine Begrüßungszeremonie mit dem Dorfältesten, das viel Stampfen von Kavawurzel und einen idyllischen Rausch impliziert, jedoch laut Beschreibung der Cruising Guides auch schon etwas für Segler zurechtgestutzt und Touristenkonform gemacht wurde - außerdem ziemlich hohe Spenden für Schulen oder sonstige Belange der Inselbevölkerung miteinschließt. Jedoch getreu dem Motto: Man kann nicht alles haben!,  das vermutlich jeden von uns permanent durchs Leben begleitet, liegen wir also halbwegs geschützt in den Sturm- und Regenböen, kochen herrliche Mahlzeiten und schwimmen, lernen, versuchen den Motor zu reparieren, der regelmäßig ein klägliches Piepen von sich gibt, welches wir leider nicht deuten können. Wir wechseln Öl und reinigen die Rümpfe, wir freuen uns einmal mehr an den Möglichkeiten, die nur ein Segelschiff bringt, denn kennen wir weltweit nur zwei, drei Segler, die hier schon einmal waren. Koste es was es wolle, es gibt weder Flugzeuge noch Schiffe an diesen Ort, ist er doch sehenswerter als so mancher anderer auf dieser Welt.

Morgen früh geht es weiter, für mindesten fünf Tage fahren wir nach Neu Kaledonien, fünf Tage sind wir schon an Board - das heißt dass wir mal wieder 10, respektive 11 Tage ausschließlich auf dem Schiff verbracht haben. Wenigsten können wir hier Yoga machen und schwimmen, so dass wir uns zumindest etwas bewegen. Aber es freuen sich alle wahnsinnig auf die Möglichkeiten und die Vielfalt eines (Insel-)kontinents. Wir können es kaum erwarten ans Festland zu kommen, allein um mal wieder Säugetiere zu sehen. Oder ein bisschen architektonische Baukultur. Oder eine potentiell funktionierende Infrastruktur. Fleisch, Ikea, einen Apple shop um unsere uralten und dysfunktionalen (da mehrfach ins Wasser gefallenen) elektronischen Geräte reparieren zu lassen? Einen internationalen Flughafen? Die Option auch bei Schlechtwetter nicht sorgenvoll auf dem Schiff zu sitzen? All das beflügelt uns und so sehen wir den bevorstehenden Langfahrten eher frohgemut entgegen.

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