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Choreographie out of New Caledonia

Man sollte beim Segeln nie in Eile sein. Das ist eine der Grundregeln. Wieso sind wir es trotzdem? 

Am Mittwoch mussten wir eigentlich bis acht Uhr aus der Marina auschecken, da die Groupama Rally rund um Neukaledonien zurückkam und ihren Platz wieder wollte. Wir standen natürlich auf dem Platz des schnellsten Schiffes. Gleichzeitig mussten wir aus Neukaledonien auschecken, bis 11 Uhr - doch unsere Pässe waren bei der Indonesischen Botschaft und ohne die Pässe kann man nicht auschecken. Doch musste dies am Mittwoch passieren, denn spätestens Donnerstag sollten wir los, Richtung Australien, da sonst das Wetter schlecht würde für die doch 1000 nm lange Überfahrt. Tja, Peter ist morgens um 8 los, die Pässe aus der Botschaft holen, das Auscheckproceedere beginnen, während ich mit den Kindern das Schiff startklar gemacht habe. 

Als die Miss Scarlett, das Siegerschiff, um die Ecke bog, sprang Peter endlich an Bord und wir verließen die Marina, nachdem ich schon drei mal ermahnt worden bin. Wir fuhren unter Vollspeed zurück zur Botschaft, da wir unsere Pässe aufgrund der Visa zurück bringen mussten - bis 12 Uhr, es war schon 11:45 - und noch während Niko den Anker fallen ließ, sprangen Noa und ich ins Beiboot, schraubten den Motor an und fuhren an Land. Ich gab die Pässe um 11:55 ab, mit dem Versprechen, sie am nächsten Tag inklusive der Visa wieder abzuholen. Schnell noch liefen wir in den Carrefour, um für die nächsten sechs Tage Überfahrt zu provisionieren. Doch das nächste Problem kam auf - der frisch reparierte Motor begann erneut alarmiert zu piepen und wir brauchten unseren Mechaniker. Glücklicherweise fuhr dieser gerade mit seinem kleinem Schiff an uns vorbei und so verabredeten wir uns neben seinem Hausboot zum nachmittäglichen Check-up. Vorher mussten wir aber noch schnell Diesel tanken, Starkwind macht das Anlegen nicht leichter, doch sind wir mittlerweile eine so eingespielte Crew, dass das Überwerfen der Leinen einem Ballett gleicht. Alles klappt wie am Schnürchen, das Tanken, das Reparieren, das Abholen der Visa am nächsten Tag und während Peter den Außenborder verstaut, Niko den Anker hoch holt, Noa das Dinghy befestigt, ich aus der Bucht lenke und Pius und Frida das Mittagessen servieren, setzen wir die Segel und sind noch vor 12 unterwegs. Gerade noch rechtzeitig, wie wir hoffen. 

Das Wetter ist phantastisch, der Wind gut - doch leider fast von vorne und die Wellen haben gut und gerne vier Meter. Es wird also eine schaukelige Fahrt, oft schnell und schneller und da wir es eilig haben, reffen wir auch in der Nacht nicht- nur um gegen vier bestraft zu werden, als das Schiff 16 Knoten fährt, da ein plötzlicher Squall aufgetaucht ist, und wir in Nacht und Regen herumklettern müssen, um doch noch zu reffen. Einziger Vorteil, wir machen gut Fahrt. Doch Peter und ich im Stress, schreien uns an, die Kinder wachen auf und - unser Sensibelchen Pius - wird prompt krank. Fast vierzig Grad Fieber hindern ihn am Schlafen, er krampft und röchelt, und auch Niko fühlt sich unwohl. Zum Glück ist das Schiff bald besser ausgestattet also so manche Apotheke in den letzten 7000 Meilen und eine vernünftige Dosis Ibuprofen bringt Pius die wohlverdiente Ruhe. 

Peter und ich kämpfen in der Zwischenzeit wieder in vereinter Front gegen die Wetterfronten, mal vier, mal 24 Knoten Wind, aus allen Richtungen, oft Regen und immer wieder diese vermaledeiten hohen Wellen. Wir zählen die Stunden, bis wir hinter dem Riff sind, denn strenggenommen hört der Südpazifik hier auf und wir befinden uns im Korallenmeer- was sehr viel idyllischer klingt als es ist, faktisch gibt es hier vor allem Riffe und starke Windzonen. Doch ist es unsere letzte große Offshore-Überfahrt. Wir halten durch, funktionieren - Pfannkuchen und Gemüsesuppe kann man auch bei meterhohen Wellen von vorne zubereiten, und während das Schiff bockt wie ein Rodeobulle, liegen unsere vier Kinde gemütlich drinnen, hören Hörspiel, spielen Karten, und sind so vor dem eiskalten Südwind geschützt, der uns zu drei Schichten Kleidung zwingt und sowohl Ölzeug als auch Stiefeln eine ganz neue Bedeutung gibt. 

Zeit, wieder gen Norden zu fahren. Noch drei Tage!

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