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großer Fang

Die Arafua See hat so ihre Tücken. Nicht nur ist sie extrem flach, so 20 Meter meist, manchmal bis zu 60, sie hat auch extrem steile Wellen die ziemlich hoch sind und unverhältnismäßig zum Wind. Doch damit noch nicht genug. Das Wasser hat eine dermaßen häßliche Farbe, so dunkelolivbraundurchfall, dass wir uns schon überlegt haben, welche Art Monster wir wohl rausziehen werden, wenn wir die Angeln rauslassen. 

Doch niemand von uns ahnte, welche Monster uns in der Nacht tatsächlich heimsuchen würden...

Den Nachmittag verbrachten wir vergnügt mit Monsterzeichnen, kochten lecker Abendessen und gingen schlafen. Peter hatte die erste Wache, doch kaum waren wir eingeschlafen, gab es einen Knall. Und dann Stille. Binnen Sekunden waren wir alle an Deck und sahen sofort was passiert war: Wir hingen in einem Fischernetz. Es war stockdunkle Nacht, die Wellen waren gut und gerne 2-3 Meter und der Wind steigerte sich auf 20 Knoten. Das Backbordschwert hing im Netz und das Schiff stand still - naja, so still man halt bei dem Geschaukel stehen kann. Wir dachten: Haha, ist ja einfach, Schwert hoch und weiter - aber leider war dem nicht so. Das Schwert hing im Netz. Es war nicht zu bewegen und durch die Segel war auch noch ein ordentlicher Zug drauf. Also Segel weg, erst das Vorsegel, einfach, dann das Großsegel. Nicht einfach. Dazu muss man in den Wind fahren, um den Druck rauszunehmen, die Großschot lösen und dann runterfallen lassen. So die Theorie. Durch das Netz waren wir aber manövrierunfähig. D.h. wir konnten uns nicht in den Wind drehen. Das Segel war voll gebläht und wollte nicht runter. Das Baum schlug um und die Schot traf Niko voll im Gesicht. Zwei tiefe Striemen lassen ihn wir einen echten Krieger aussehen. Als Peter es dann doch geschafft hat, sich in den Wind zu drehen, hing das Netz dann auch noch im Ruder. Machetenschwingend ließen wir Peter mit Schwimmweste, doppelter Sicherheitsleine und Personal Beacon im Dingi hinab und zerrten ihn durch Wind und Wellen, dass er das Netz aufschneiden konnte. Das Dingi bockte wie ein Rodeostier, der Wind brüllte, Niko litt drinnen und das Netz wollte nicht nachgeben.  Frida legte sich wieder schlafen, sie hält nicht viel von Abenteuer, Pius war voll in seinem Element, schrie cool und krass und half wo er konnte. Ich brauch Abenteuer auch nicht so dringend, musste aber trotzdem helfen und zerrte das Netzstück aus dem Ruder, half Peter festzuhalten, verlor und gewann den Bootshaken zweimal. Es war ein ziemlicher Alptraum. Nach 1,5 Stunden kamen wir halbwegs frei und konnten uns Nikos Verletzungen zu wenden. Nachdem er versorgt war, das Schiff wieder halbwegs aufgeräumt und auf Kurs gebracht, waren wir alle so voller Adrenalin, dass keiner schlafen konnte. Alle waren übersät von kleinen Wunden, blauen Flecken, Blasen und aufgeschnittenen Fingern. Doch gemeinsam so ein Abenteuer zu überstehen war auch irgendwie cool. Wir kuschelten uns alle aneinander, erzählten uns Anekdoten und Perspektiven und Niko und Pius freuen sich schon wahnsinnig, all das ihren Freunden zu erzählen.

Peter und ich hingegen fühlen uns heute Morgen um 20 Jahre gealtert, voller Schmerzen und Muskelkater, übernächtigt und müde schleppen wir uns durch den Tag und hoffen, dass die heutige letzte Nachtfahrt wieder ein bisschen entspannter wird…

Nikos Perspektive: 

Wir haben ein Abenteuer erlebt! Es begann um neun Uhr in der Nacht. Pius und ich wollten schlafen gehen. Dann hörten wir was. Es hörte sich so an, als wenn eine Flasche auf dem Boot fällt und eine Treppe runterrollt. Pius guckte aus den Fenster und erschreckte. Wir sind in einem Fischernetz gefangen. Ich und Pius rennen hoch und schreien: „Wir hängen in einem Fischernetz." Mama und Papa sahen ratlos aus. Ich und Pius mussten was tun . Papa versucht mit den Motoren rauszufahren, aber wir steckten. Ich renne runter und versuche mit einer Taschenlampe unser Schwert anzuleuchten. Durch unser NotfallFenster .

Nur eine kleine Unterbrechung  (das Schwert ist wie ein Ruder ausser man kann es nicht bewegen und ist da zu da, das Schiff gerade zu halten )es geht weiter: Ich renne hoch und schalte das Unterwasserlicht an . Ich und Pius rennen runter, aber das Wasser war zu trüb. Wir waren langsam umzingelt von dem Netz . Du musst es dir so vorstellen, wenn du eine gerade Schnur hast und deinen Finger in der Mitte durch ziehst . Dann entsteht Kreis. Weil das Unterwasserlicht Fische anzieht, kamen ganz viele Fliegenfische. Ich war so begeistert, dass ich ganz vergessen habe, dass unser GroßSegel locker war und es hat mich voll geschlagen. Ich war für 2 Sekunden ohnmächtig . Es war komisch. Ich habe gedacht,  dass ich keine Verletzung habe, aber ich habe mich furchtbar verbrannt. Ich wollte meine Eltern nicht noch mehr erschreken. Papa ist ins Dinghy gegangen obwohl 2 Meter hohe Wellen waren. Er ist Kapitän 👨‍✈️ . Er muss uns retten  und schnitt jedes Netzstück durch . Bis auf eines,  genau das, das in unserem Schwert hängt. Weil sie nicht wussten,  dass ich verletzt war, haben sie mich gerufen, dass ich helfe sollte. Papa war sauer, dass ich nicht gekommen bin, aber wie Mama heraus gefunden hat, dass ich verletzt war, war er nicht mehr sauer . Weil das Netz zu tief war, hat er es nicht durch schneiden können. Ich war noch immer beim Schwert. Mama und Papa haben das Dinghy hoch gezogen . Dann hörte ich einen Knall und das Netz ist gerissen: Endlich! wir sind frei . Mir geht es gut. Wir sind in mittlerweile in Indonesien 🇮🇩. 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Dienstag, 24 Juli 2018 22:39)

    Entsetzlich das alles..... Die stehende Welle stelle ich mir halt mal so vor, aber Personal Beacon???

  • #2

    Lilli (Dienstag, 04 Dezember 2018 17:46)

    Du armer Nico aber ihr seid alle ein super � Team macht weiter so und euren Abenteuern ������������❤️❤️❤️❤️�