· 

Molukken See, Raja Ampat, Buru

Schon nach wenigen Tagen mit viel Programm, Tänzen, Essen und Socialising, haben wir uns wieder von unserer Gruppe gelöst, weil nach so vielen Monaten Einsamkeit, die Gruppendynamik etwas zu überwältigenden war. Mit Kiwi Summers und Elan, einer Kiwi Familie und einem deutschen Pärchen, besuchten wir die unglaublichen Strände der Kai Inseln, bevor wir uns auch von ihnen trennten und uns gen Norden aufmachten. Wir wollten die Banda Inseln gegen das südliche Raja Ampat tauschen, was zwar längere Fahrten bedeutete, aber das sind wir ja nun wirklich gewohnt. Und für unsere Abenteuerlust wurden wir reichlich belohnt. Zwar war die Überfahrt wild und windig, zwei Black Marlin hatten wir an der Angel, etliche blaue Flecken bekamen wir und zu allem Überfluss begann es zu regnen, nein, in Strömen zu gießen, gerade als es an die komplizierte Einfahrt zwischen den Riffen durchging. Ich musste Peter im Zick Zack hindurch leiten wofür ich gut zwei Stunden im strömenden Regen stand, doch die Bahamas haben uns das Wasserlesen wohl gelehrt.

Zwar gehört Indonesien wohl zu den bisher schönsten Segelgebieten, die wir auf der Welt gesehen haben, doch kommt diese Unberührtheit, diese Einsamkeit und diese Naturwunder nicht ohne Preis: Es gibt keine Seekarten. Also, falsch, es gibt haufenweise Seekarten, aber sie stimmen einfach nicht. Und da wir es als moderne Segler gewohnt sind, nach Plotter und GPS zu fahren, ist das eine wahrlich komplexe Herausforderung. Und man muss seine Passagen präzise planen, denn in der Dunkelheit sollte man tunlichst irgendwo sicher ankern. Das haben wir gestern Nacht auch wieder schmerzlich zu spüren bekommen.

Doch der Reihe nach.

Die kleine Inselgruppe nordöstlich von Misool, die unseren ersten Ankunftsort darstellte, ist so umwerfend schön, dass man eigentlich nicht darüber schreiben darf. Denn die Schönheit besteht vor allem darin, dass sie gänzlich unbewohnt und unerforscht ist. Unter Wasser tummeln sich die farbenfrohsten Korallen, Anemonen und Riffbewohner, Clownfische, Seesterne. Über Wasser ragen absurde Felsen in die Luft, dichtbewachsen von Palmen, Orchideen und Büschen. Dazwischen Korallenriffe und türkisfarbene Becken, weißes, blaues und grünfarbiges Wasser, das sich beinahe mit der üppigen Vegetation der Überwasserwelt beißt. Dazwischen lieblich kleine Strände. Und über Meilen und Meilen kein Mensch. Also auch kein Internet, kein Handyempfang, kein Obst, kein Gemüse. Wir genießen diese Landschaft für zwei Tage und fahren dann im Lee der Insel Richtung Westen. Stoppen in kleinen Ortschaften, die auto- und geldfrei existieren, die selten oder noch nie ein fremdländisches Schiff gesehen haben. Heerscharen von Kindern empfangen uns, tauschen frischen Fisch gegen Stifte und Hefte, Männer tauschen Bier und Cola gegen Bananen und Bohnen. Wir werden umjubelt wie die Könige und die Kinder flüchten schnell zurück aufs Schiff, weil ihnen so viel Aufmerksamkeit auch einfach schnell zu viel wird. 

In kurzen Etappen segeln wir gemütlich weiter, bis wir zu einer weiteren Überfahrt aufbrechen, da es eine größere Etappe zu überwinden gilt - schließlich möchten wir meinen 40. Geburtstag mit unseren neuen Freunden in South Buru feiern. Doch, wie erwähnt, ein weiterer Nachteil von unerforschten Segelgebieten sind die Nächte: Kurz nach Sonnenuntergang ertönt ein entsetzliches Rumpeln und nach einigen Schreckenssekunden erkennen wir, dass wir mit einem Baumstamm kollidiert sind. Nicht einem Ästchen oder Zweiglein, nein ein stattlicher Stamm mit gut vier Meter länge und einem Durchmesser von 70 oder 80 Zentimetern. Es knackt schrecklich, doch scheint kein Wasser einzutreten, wie wie mit einem schnellen Blick in die Bilge feststellen. Die Nacht über nehmen wir also die Segel runter und lassen uns treiben, denn ein Zusammenstoß mit noch einem Stamm oder einem der unzähligen, unbeleuchteten Fisch Attraction Devices, auf Indonesisch: Rumpon (ein vermutlich onomatopoetischer Name stehend für das Geräusch, welches erklingt, wenn ein unwissender Yachtie hineinfährt) so kleine Bambushäuschen mit unerkanntem Nutzen, könnte übel enden. 

Also wir dann mittags endlichen den Anker werfen und schnorcheln gehen, stellen wir fest, dass unser Backbordschwert schon wieder gebrochen ist. Gerade hatten wir es in Debut repariert, nachdem das Netz es nächtens durchgeschnitten hatte - und nun das. 

Doch manchmal kann man halt nichts machen außer weiter und so begrüßen wir die vielen Gäste, die aus dem nahegelegenen Dorf zu uns gerudert kommen, verteilen Cola und Chips und üben Indonesisch. Gegen acht ist auch der letze Besucher weg, wir braten Fisch und gehen früh schlafen, denn am folgenden Tag geht es schon wieder weiter und weiter und weiter. 

Auf nach South Buru. 

Einen Zwischenstopp legen wir auf Pulau Ambelau noch ein und werden hier aber so dermaßen mit Kindern überflutet, die völlig ohne Scham und Scheu unser Schiff entern und uns bis in die Abendstunden belagern, dass wir völlig fertig sind und mittlerweile alle fließend: „nein, danke, später, morgen - müde, allein und Gute Nacht“ auf Indonesisch sagen können. Wenn auch ohne den gewünschten Effekt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Sonntag, 19 August 2018 12:32)

    Die Info von Noa, dass die Kommentare laut vorgelesen werden, ist pädagogisch sehr gut und beflügelt mich!
    Welch Zauberwelt scheint da zu sein!
    Und das kann ich verstehen, dass die Menschenmenge etwas verstörend wirkt...
    Hier haben wir gerade das 25jährige Bestehen des Heinrich Schütz Ensembles gefeiert (heute ist das letzte KOnzert ) und wir waren/sind als Besucher eifrig in allen vier Veranstaltungen,. Noa war am Freitag mit bei dem Vokalensemble Konzert und war selig. Es war aber wirklich wunderschön! Ich habe mich riesig gefreut, Noa wieder zu sehen. Sie ist schon ein besonderes Mädchen/eine besondere junge Frau - und ich kann mir denken, dass Ihr sie immer noch sehr vermisst.
    Wir fahren morgen wieder nach Söllhuben, denn es ist hier in Passau für mich sehr schwer abzuschalten. Da bleibe ich eine knappe Woche und bin dann nochmal einige Tage hier. Wir haben immer noch einen Prachtssommer, der allerdings so langsam in den Herbst übergeht und so werden Gott sei Dank die Nächte kühler.
    Wir sind viel im Garten, ernten Tomaten und in Söllhuben gibt es viele Birnen = viel Birnensaft. Marmeladen habe ich schon viele gekocht: Brombeer, Erdbeer, Johannisbeer, Birne, Hollunder oder auch eine Mischung...
    Heuer wird ein Wahnsinnsobstjahr, allerdings brechen schon manchmal die Äste wegen des Gewichts und viel Obst plumpst herunter, weil es zu trocken ist. Kommt mal wieder jemand aus Europa zu Euch? Dann könnte ich ja Marmelade mitgeben...
    Burkhar, Pankraz Sohn, habe ich erzählt von Eurer Fahrt und er ist total begeistert und würde am liebsten mal mitfahren (er hat den Segelschein.) Vielleicht könnt Ihr ja mal jemanden brauchen?
    Herzliche Grüße aus dem Paradiesgarten am Mariahilfberg

  • #2

    Lilli (Dienstag, 04 Dezember 2018 17:39)

    Das ist mein ewiger Traum das klare blau glitzernde Wasser �Glg Lilli