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Buton & Bonerate National Park

Pasar Wajo, South Buton, Bau Bau

Von Wakatobi geht es weiter zur Insel Buton. Doch die Organisation der Rally wird immer schwächer, es gibt Unstimmigkeiten innerhalb der Flotte, Missverständnisse und Missstimmungen. Also fahren wir ab. Negative Gruppendynamik brauchen wir nicht. Noch immer zu dritt, streckenweise zu viert und fünft, da sich Anemos und Cintana häufig anschließen, machen wir uns weiter auf den Weg Richtung Westen, schlussendlich aber Richtung Flores und Komodo, da wir es kaum erwarten können, den Komodo Waranen, den sogenannten letzten Drachen dieser Erde, in ihrem natürlichen Umfeld zu begegnen. 

Die Kinder sind glücklich, dass wir mit anderen Kindern unterwegs sind und so lernen wir die meisten Morgende gemeinsam. Andrea und ich tauschen Tipps und Bücher aus und Brent und Peter kümmern sich meist um Bier, Diesel und Reparaturen. Ja, ich weiß, es ist fürchterlich stereotypisch, aber Andrea und ich trösten uns damit, dass Emanzipation Wahlfreiheit impliziert, und da wir beide sehr wohl in der Lage sind, Bier und Diesel zu kaufen sowie einen Ölwechsel zu machen, erfreuen wir uns an der dezimierten Tätigkeit und segeln fröhlich ohne Wind weiter.

Ja, das ist der Nachteil an der Äquatornähe. Oft gibt es wenig bis gar keinen Wind. Für Philocat ist das meist kein Problem, da wir mit 10 Knoten auch segeln können, die Kiwi Summers hingegen, mit 20 Tonnen Stahl, muss permanent motoren. Aber da die Strecken überschaubar sind, ist alles kein Problem. 

Wir fahren nun die nächsten Wochen kleine Etappen, Richtung Südwesten, durch den Bonerate Nationalpark nach Flores, wir wollen nur noch weg von Land und Zivilisation, wollen sauberes Wasser und saubere Strände. Wir sind extra nach Bau Bau gefahren, der Hauptstadt von Buton mit 140 000 Einwohnern, um noch die letzten Butter und Käsestücke zu ergattern, damit unsere precious Moppets ein bisschen Fett auf die Rippen bekommen. Mit 140 000 Einwohnern bietet Bau Bau aber nicht nur Käse und Butter, sondern auch einiges an Kultur und Entertainment. Eine Riesenfestung umgibt den Hügel des ehemaligen Sultanats, einige große, teils mehrgeschossige Märkte bieten erstaunlich geschmackloses Obst und Gemüse an und direkt am Hafen gibt es einen Platz mit allen Arten illegaler elektrischer Fahrzeuge, die die Kinder gegen eine geringe Gebühr nutzen dürfen. Abends ist hier die Hölle los und die europäische Mutter in mir stirbt innerlich tausend Tode, wenn ich die Kinder ungebremst aufeinander und auf umstehende Menschen zuheizen sehe. Doch die Indonesier bleiben völlig gelassen, nur um bei einem (zugegebenermaßen seltenen Zusammenstoß) herzhaft zu lachen und die kaputten Teile mit Gorillatape wieder zusammenzukleben. A pro pos illegal: vor einigen Tagen haben wir eine Palmsaft-Destillerie besucht, die mit einer erstaunlichen Konstruktion aus Bambusrohren, Feuer und Plastikkanistern Arak hergestellt hat. Illegalerweise natürlich, da die Mehrheitsbevölkerung muslimisch ist. Die Ironie an der Sache, abgesehen davon, dass der Arak überraschend gut schmeckt, war, dass uns dorthin eine Polizeieskorte begleitet hat. Es war ein von der Rallye organisierter Ausflug und dieser Bus mit den so seltenen und deshalb kostbaren Touristen, wird immer von einer echten Polizeieskorte angeführt, mit Blaulicht und so. 

Aber gut, über die Paradoxe dieser absurden Inselwelt wundern wir uns schon lange nicht mehr. Gestern ankerten wir vor einer wunderbaren Insel mitten im Nationalpark. Als wir an Land fuhren, um den Kindern etwas Auslauf zu verschaffen, entdeckten wir ein Schild, auf dem alle Inseln des Nationalparks sowie die verschiedenen Schutzzonen gekennzeichnet waren. Wir waren in der absolut verbotenen roten Zone. Explizit stand dort Segeln sowie Ankern verboten. Wir befragten die nette Nationalparkaufsicht dazu, die etwas Englisch sprach, und diese meinten das sei überhaupt kein Problem, auch unser geplantes Lagerfeuer und das von den Kindern so heiß ersehnte Feuerwerk dürften wir gerne und jederzeit machen. Wir hatten also am Abend eine kleine Strandparty, mit Feuer, Raketen, Bier und Musik, und schon bald nahmen die fünf Inselbewohner, also die Nationalparkwächter, begeistert daran teil, teilten unser Bier und Sushi sowie die Steaks und Kartoffeln mit uns und boten uns im Gegenzug ein höllisch-scharfes Tintenfischgebräu an. Wir hatten viel Spaß und auch das Schnorcheln am nächsten Tag war wieder mal atemberaubend. Die Korallenwelt hier gehört zu den schönsten, nein, ist vermutlich die schönste, die wir auf der gesamten Reise zu Gesicht bekommen haben. So viele bunte und lebende Korallen, so viele Fische und Fischarten - es ist schwer zu beschreiben. Zumal es immer diese phantastischen Abbruchkanten gibt, wo das Riff von einem Meter auf 40 Meter abfällt. Man gleichzeitig also die kleinen bunten Fischlein sieht und dann unten die großen Haie und andere Raubfische. Sehr beeindruckend.

Nun heißt es wieder Spinaker hoch, 40 Meilen weiter, auf zur nächsten der insgesamt über 15 000 Inseln, 360 Stämmen, 73 Sprachen von Indonesien.

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