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ITCZ-welcome

2 Grad trennen uns noch vom Äquator. Zwei Grad die uns zurück bringen in das letzte/ erste Quader der Erde, Nord/Ost, aus dem wir starteten. Das fühlt sich einerseits heimisch und gut an, andererseits hat ja der Äquator bekanntermaßen so seine Tücken. Uns begleiten tägliche Squalls und Gewitter, nach Wochen der Dürre haben wir nun Regen satt. Das Wetter ist schwer vorhersagbar und man lebt ein bisschen auf Messers Schneide. 

Glücklich sind wir dennoch auf Belitung gelandet. Eine Touristeninsel mit DDR Charme. Und den gleichen weißen Felsblöcken, die wir schon auf den BVIs vor 3,5 Jahren bewundert haben. Der Ankerplatz ist gut, das Essen besser, wir brauchen Pause - also bleiben wir. Harry hatte seinen ersten Sturz gleich nach fünf Minuten Landgang, ab ins Krankenhaus und genäht, drei Stiche. Aber überleben wird er. 

Das Seereisen ist eigentlich eine lustige Angelegenheit: Man fährt so still und leise übers Wasser und plötzlich, nach mehr oder weniger vergangener Zeit, tauchen die Inseln wie Pickel hervor. Lange schmale, dicke buschige, große flache, kleine spitze. Es gibt alles. Manche sind gar Kontinente, wir Australien, andere kleine unbewohnte Sandkringel, wie einige der Tuamoutu Atolle. Hier in Indonesien steckt entweder die halbe Welt darauf, wie Java mit Jakarta und seinen 120 Mio Einwohnern oder eben diese winzigen unbewohnten Inseln, die zwar auf den ersten Blick Land und Rettung versprechen, bei näherem Betrachten aber eher ein südseeparadiesisches Grab wären. Auf die berühmte Frage: Was nähmest Du mit auf eine einsame Insel? gibt es ergo nur eine gültige Antwort: Einen Wassermacher (plus Solarpanele) und eine Machete. Vergiss Partner, Buch und Haarfön. Obwohl Bücher ja bei uns an Bord auch schon bald eine lebenswichtige Funktion erfüllen. Kein Tag vergeht, ohne dass wir den Kindern mindestens eine Stunde vorlesen. Die Geschichten und ihre Charaktere leben bei und mit uns. Peter liest Frida nun schon Band 31 von Sternentänzer vor und Caroline und ihr Pferd sind genauso Teil unserer Realität wie andere Freunde und Bekannte aus der Ferne. Die Jungs sind derzeit eher auf Fantasy getrimmt und die meisten Gespräche an Bord gehen dann darüber, wie es wohl weitergeht, wie man gegen Drachen kämpfen könnte und was ein mögliches Ende wäre. Als nächstes möchte ich mit Gretchen Sackmeier mal wieder ein bisschen bodenständige österreichische Fiktion ins Schiff holen, während Frida ihre Araberphantasien bald gegen das wilde Waldeben der Ronja Räubertochter eintauschen darf. 

Ja, zugegeben, vielleicht ist uns manchmal ein bisschen langweilig und wir brauchen dieses Abtauchen in die Literatur mehr als andere, vielleicht sind wir auch ein bisschen einsam und benötigen deshalb fiktive Freunde. Und die vertraute Welt des Landlebens in diesen immer unverständlicher werdenden Ländern. 

Wir sind gerade in Bangka angekommen, nur noch wenige Seemeilen trennen uns jetzt von Singapur. Dann sind die drei Monate Indonesien endgültig vorbei und womöglich gab es noch kein schöner Land zum Segeln. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Mittwoch, 24 Oktober 2018 22:08)

    Ohja, ohja, Äquator! Den fahrt Ihr einfach immer weiter entlang und dann treffen wir uns in Uganda! Ja?? Aber beeilt Euch, bin nur bis 4.11. dort. Was bitte sind BVI - ich nehme an irgendwelche Inseln!
    Von Franziska erwarte ich eine Sammlung aller meiner - dann beantworteten Fragen! Macht mich klüger und ich bin doch so (gerne) ein Gscheidhaferl! Wie vielen Menschen ich schon "squall" erklärt habe... hach!
    Und bitte "Herr der Ringe" , aber vielleicht erst etwas später bei der Nord-Süd-Weltumsegelung. Ich habe es schon sechs Mal gelesen.... Ronja Räubertochter ist auch ok und vielleicht fangt Ihr mit "Der kleine Hobbit" auch von Tolkien( den ich übrigens sehr bewundere, war einfach ein Sprachgenie, über den Anteil an Rassismus u.ä. in seinen Büchern lässt sich sicher trefflich streiten, aber in welchem Märchen kann man das nicht?) an, da spielt ein Drache durchaus eine wichtige Rolle!
    Es grüßt mit deutschen Grippeviren, die hoffentlich bald von den bösen großen ugandischen Drachenviren besiegt werden (was dann mit mir als Schlachtfeld passiert, wird sich zeigen), die reisefiebrige Barbara

  • #2

    Barbara - (Mittwoch, 24 Oktober 2018 22:13)

    Und nochmal: habe gerade die "friends" Seite studiert:
    Kann ich auch friend sein?
    Warum habt Ihr nicht, wie die Kiwi Summers die indonesischen (?) Flötenspieler fotografiert???