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Äquator

Wir schmelzen so langsam. Nachts, Tags, an Land wie im Wasser hat es über 30° Celsius. Seit nunmehr bald drei Tagen haben wir keinen Wind mehr. Statt Wind haben wir Flauten und Squalls. Doch während die Squalls den heißersehnten Regen versprechen und wir aktiv nach ihnen suchen, scheinen wir versehentlich permanent auszuweichen und das Schiff wird immer dreckiger. Wir hingegen fließen dahin wie reifer Camembert neben dem Kühlschrankkompressor.  

Diese Temperatur ermöglicht das Schlafen nur noch in Etappen. Oft treffen wir uns also nachts auf Deck, trinken gemeinsam ein kaltes Wasser und bestaunen Vollmond und Landschaft. 

Wir sind auf dem Weg nach Singapur. Unsere Motoren fallen nun endlich und endgültig auseinander, das Klo spült nicht mehr, wir brauchen ein neues AIS, einen Travellift, ein wenig Reparaturzeit. Diese 3,5 Monate Wasser- und Inselzeit nach den nur drei Wochen Australien und den vorhergegangen 10 000 Meilen offener Ozean, lässt Philocat nach einer Pause schreien. Nach Reparatur, Investition, Wartung. So schön, so wahnsinnig schön das Ganze ist und war, wir kommen um eine Pause nicht mehr herum. Einige Monate wird es wohl dauern, das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Und doch gehören wir noch zu den Glücklichen. Um uns herum sind Schiffe auf Riffe gelaufen, haben Segel und Autopiloten verloren, Ruder zerstört und aufgegeben. Eine Reise durch Indonesien ist eine Reise wie über einen Ozean. Keine Option auf Reparaturen, keine Ersatzteile, keine professionelle Hilfe. Wer hier nicht adäquat ausgestattet ist, verliert. 

Doch auch für Singapur benötigen wir zur Einreise wieder einen Agenten, die Marinas sind teuer und voll, alles braucht Zeit. 

Gerade haben wir den Äquator überquert. Sind nun nach acht Monaten wieder auf der Nordhalbkugel - wow!° Prost!, auf den Äquator! Schön war’s im Süden, doch das Zuhause  - liegt im Norden. 

Eva kommt, Peters Schwester, und begleitet uns durch Malaysia. Weihnachten ruft nach Thailand. 

Selbst Schreiben ist anstrengend. Der Schweiß läuft aus allen Poren, bewegen kann man sich nicht viel, ein kühles Bintang ist Gold wert. Die Kinder haben einen klargetackteten Tagesablauf: Lernen, Spielen, Lesen, Schauen, Angeln. Unser Kühlschrank ist fischvoll und unser Speiseplan ähnlich. 

Das einzige was hier noch fröhlich vor sich hin keckert, sind unsere Geckos: Gusti 1,2 und 3 sowie seine/ihre/deren Kinder Baby-Gusti 1,2 und 3. Täglich laufen sie einem irgendwo über den Weg und dann schreit eines der Kinder süüüüüüß! Und wir finden sie alle süß, lieben sie heiß und innig, weil irgendwas oder irgendwen müssen wir ja lieben, außer uns und uns gegenseitig. Naja, vielleicht lieben wir auch noch die Fische, die die Kinder täglich dem Meer entziehen, die wir frisch zubereiten und viel zu schnell wieder ausscheiden. Die wir dann der Toilette zuführen, die nicht spült, nur um sie manuell wieder hinaus ins Meer zu schöpfen, am gleichen oder am nächsten Tag. Naja, wenn das kein vorbildlicher Kreislauf aus dem biologischen Bilderbuch ist, was dann?

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