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Übergang

Der Wechseln von einer Welt in eine andere ist nicht nur aus bürokratischer Hinsicht schwer, aber auch.  So haben wir heute unseren ersten Versuch gestartet, das Land Indonesien zu verlassen. Wir sind in einen großen Hafen gefahren, Batam, gleich gegenüber Singapur, und während Peter und Pius unseren immerschrotten Backboard-Motor reparierten, sind Niko und ich ins trübe Wasser gestochen, um Customs und Immigration ausfindig zu machen.

Das Fährterminal, welches wir als das mit dem größten Erfolgspotential versprechend auswählten, da hier stündlich internationale Fähren ablegten, ergo man doch so ein kleines Schiff ausklarieren könne, erwies sich leider als hermetisch abgeriegelt. Ein Traum aus Granit und Starbucks, aus Klimaanlagen und Hochsicherheitstüren. Doch schließlich reisen wir nicht erst seit gestern um die Welt und wir haben gelernt, sich von solchen Äußerlichkeiten nicht sofort abschrecken zu lassen, wenn men weiterkommen möchte. Ich kletterte also heimlich über ein Polizeiboot und betrat über den Domestikeingang das Gebäude. Höflich erkundigte ich mich nach Customs und Immigration, jaja, die gebe es und man werde mich hinführen. Immer mehr Officials umringten mich, wollten Pässe und Visa sehen, jaja, hate ich alles, sogar fünfach und in europäisches bordeaux. Doch wollte man mir nicht glauben, dass ich aus Deutschland mit dem eigenen Schiff angereist sei und überhaupt könne man mir nicht helfen, im Gegenteil, ich solle doch erst mal erklären - und ob ich wohl einen Agenten habe. Schließlich befand man, nein, falscher Ort - sorry. Tschüß! Doch kommt man halt leider aus dem Gebäue - einmal drin - nicht mehr heraus. Mein Domestikschalterte verweigerte mir den Auslass, eine Mauer aus Glas versperrte meinen Weg zurück zu Niko und dem Dinghy. Also musste ich wieder drastisch werden, kletterte in meinen langen Pluderhosen, weil ja alles muslimisch und so, über ein Baugerüst, pfiff Niko zu der zur Hafenmauer kam und selbige musste ich dann ohne Rücksicht auf Verluste hinunterspringen, denn die Security war nicht mehr weit. Wir rasten, so weit das mit 2,5 PS und 30 cm tiefem Kloakenwasser geht zurück zum Schiff, doch mittlerweile hatte sich ein Sturm zusammengebraucht und die Wellen waren hoch, der Wind gegenan. Wir wurden ziemlich nass und so auch unsere Originaldokumente, die ich natürlich für meine Mission benötigte. 

Doch durften wir dann auf Deck den Sonnenuntergang beobachten, der hinter der 5 Millionen Metropole Singapur recht eindrücklich aussah, die vielen Lichtlein, die plötzlich auftauchten, die bombastische Skyline! 

Am nächsten Tag ist unser Versuch leider ebenso gescheitert, wenn auch weniger spektakulär. Wir saßen nur schlußendlich sechs Stunden in verschiedenen Fährterminals herum, nur um gegen Mittag darüber informiert zu werden, dass der einzige Weg aus diesem Land durch die Nongsa Marina im Osten der Insel führe und wir das Boot dorthin zurückbringen müssten. 

Nicht dass je irgendwer gekommen wäre um es anzuschauen, aber Geld durfte der Agent darf kassieren und wir hatten immerhin einen netten Abend mit vier weiteren Cruising-Familien aus Dänemark, Belgien und der Türkei.

Nun sind wir über die Grenze gefahren, mit dem Segelschiff die größte Schifffahrtsstrasse der Welt (mit Linksabbiegerspur - kein Witz) mit einem Segelschiff zu kreuzen, fühlt sich übrigens ungefähr so an, als überquere man als Fußgänger die A2 an einem Sonntagnachmittag. Wir haben unser Schiff in der Puteri Harbour Marina in Malaysia gut vertäut und treten nun unseren Landurlaub in Singapur an - auf den Spuren von Peters altem Leben.

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