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Erste Allgemeine Verunsicherung

Ja, die Rückkehr aus KL war ernüchternd. Wir kommen auf’s Schiff und nichts funktioniert. Wenn ich nichts sage, meine ich leider auch nichts. Kein Kühlschrank, kein AIS, keine Navigationsgeräte, kein GPS, kein Windanzeiger, kein Tiefenmesser, kein Klo. Keine Ankerwinsch, kein Inverter, d.h. kein 220 V Strom zum Aufladen der Geräte, zum Toasten oder für den Bordstaubsauger. Wir können keine Zahnbürsten laden und haben kein Warmwasser. 

Ein mächtiges Gewitter zog wohl in der Nacht von Sonntag auf Montag über Port Dickson und fast alle Schiffe in der Marina haben einen Schaden durch Blitzschlag erlitten. Manche mehr, manche weniger - wir mehr, da wir einen der höchsten Masten haben. 

Nicht besser erging es den ankernden Schiffen vor Malakka. 24 Schiffe rissen sich los und trieben bei Nacht und Wellen aufeinander zu und umeinander herum und schlimmstenfalls auch ans Ufer. Lustig fand das hier niemand mehr und Charmaine, eine Australierin, die herzensgut, aber nicht wirklich hochseegeeignet ist, beschrieb die Situation folgendermaßen: Ich musste mitten in der Nacht zum Anker vor, der Bug tauchte aufgrund der Wellen immer wieder ins Wasser ein, ich konnte mich kaum halten und musste doch bei strömendem Regen und 40 Knoten Wind den Anker hochziehen. Kaum hatte ich ihn erneut fallengelassen, setze ich mich unters Dach und weinte bitterlich. Dann sandte mich mein Mann erneut nach vorne - der Anker hielt schon wieder nicht und wir befanden uns erneut auf Kollisionskurs mit anderen Schiffen. 

Am nächsten Tag fuhren auch sie in die Marina und Charmaine erholt sich seither im hauseigenen Spa.

Wir haben unseren Kummer anders gelöst - nämlich indem wir ihn erstmal ignoriert haben und uns mit den schönen Dingen im Leben befasst haben: Kunst und Kultur. Wir sind nach Malakka gefahren, haben uns mit einem chinesischen Pianisten getroffen (Du siehst, Barbara, es sind immer die rettenden Musiker!), der in Graz und Wien studiert hat und nun Touristen in die Peranakan-Kultur in Malakka einführt. Die Anfänge dieser Sino-Malaischen Kultur entstanden durch chinesische Händler und Kaufmänner, die zum strategisch günstig gelegenen Malakka reisten und isch dort niederließen, um den Schiffen Waren ab- und weiterzuverkaufen. Die Babas (chinesischen Männer) heirateten Nyonyas (malaiische Frauen) und die Kinder dieser Verbindungen gelten als Ursprünge der Straits-born-Chinese oder Peranakan. Durch geschickten Handel an einem Ort, der durch die Monsunwinde alle Schiffe zum Halten und Verweilen zwang, sowie um die administrativen Aufgaben zwischen den chinesischen Immigranten und den europäischen Eroberern bemüht, machten sie bald ein Vermögen und besitzen noch heute beeindruckende Reichtümer, Häuser, Gemälde und vor allem Porzellan der Ming Dynastie. 

Bo, unser Führer hat uns eindrucksvoll durch Teehäuser, Hotels und Restaurants sowie Museen der Peranakannachfolger geführt und wir konnten unseren Schiffskummer für einen Tag vergessen. 

 

Am Mittwoch mussten wir uns dann aber doch wieder der traurigen Realität stellen. Brent kam und half uns die gröbsten Probleme zu lösen, doch tauchen einfach immer mehr und mehr Schäden auf, so kommt heute aus Bangkok ein Sachverständiger eingeflogen und wir werden die Angelegenheit wohl doch der Versicherung übergeben. 10 000e Euro wird es kosten und die Reparaturen ziehen sich sicherlich noch Monate dahin. Bis dahin segeln wir so, wie die Seefahrer im 16. Jahrhundert: Ohne Instrumente, Navigation, Ankerwinsch und Tiefenmesser - aber mit Kühlschrank! Der geht immerhin schon. Kaltes Bier lässt den Kummer ja auch ein bisschen unschärfer werden...

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