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Ipoh

Nach Mooswald und Teeplantagen, nach Insekten- und Pflanzenkunde, haben Eva und ich entschieden, uns noch ein bisschen städtische Subkultur zu gönnen und sind wieder bergabwärts gefahren. Ca. 2 Stunden südwestlich der Cameron Highlands liegt Ipoh, die drittgrößte Stadt Malaysias. Reich geworden zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch Zinn, ist es mittlerweile eine ziemlich schräge, vollkommen multiethnische (wenn auch chinesisch dominierte) Hipster-Stadt geworden, die erst gerade beginnt, touristisch zu werden. Noch locken Backpacker Hostels statt 5Stern Resorts, Lokallokale statt Ketten und Kunsthandwerk statt Massenkommerz. 

Wir haben ausführliche Spaziergänge durch die Altstadt unternommen, stets auf den Spuren von Ernest Zacharevic, einem Litauischer Straßenkünstler, der auf höchst innovative Art unscheinbare Hausfassaden verziert. Mit der positiven Nebenwirkung, dass man wachen Auges durch die Straßen läuft, weil man immer und überall ein neues Schmuckstück vermutet. 

Auch der körperlichen Verschönerung habe ich mich hier in den Höhen der Zivilisation mal wieder gewidmet, denn neben Messermassagen und Hennatattoos, haben mir meine weltweiten Besuchen in verschiedenen Schönheitssalons (und auf Postämtern wohlgemerkt - ich bin ja noch immer ein begeisterter Postkarten und Briefeschreiber) mehr Einblick in die Gesellschaft gewährt, als so mancher Kurzurlaub das vermag. Nicht nur kommt man bei den langen und wahnsinnig langweiligen Gesichtsbehandlungen auf sehr viele lustige Ideen, (was wäre, wenn sie dich jetzt hier oben vergisst und den Laden abschließt? Was wäre, wenn eine Kundin während der Maskeneinwirkzeit stirbt und die Kosmetikerin merkt es gar nicht?) man lernt auch viel von den angebotenen Behandlungen (Spezialität hier: Ovary-Treatment) über die Bedürfnisse der Menschen (was eigentlich??) und taucht ein bisschen ein, in das Alltagsleben der AnwohnerInnen. Den chinesische Film der während der Pediküre heute lief habe ich beim besten Willen nicht verstanden - nicht nur sprachlich, auch die Handlung hat sich mir nicht erschlossen. Ich konnte weder erkennen, wer gut und wer böse war, noch wer schön und wer nicht. Es war eine Mischung aus Kochshow und Liebesgeschichte mit Kriminalfall, so zumindest denke ich.  In den meisten Ländern dieser Erde erkennt man die Basics bei Filmen recht schnell; die chinesische Kultur ist mir jedoch so fremd, dass meine bisherige Erfahrung hier nicht hilft.

Weitere lustige Ideen hatte ich hingegen zum Aufschreiben meiner Erfahrungen, da ich ja jetzt endlich (hurra!!) eine bezahlte Autorin werde (siehe: das deutsche Segelmagazin Yacht 03/19), habe ich natürlich gleich an einer Buchidee gearbeitet: Es nennt sich: „Kimme jäten“,  the Worldwaxbook, und beschreibt eine Weltreise anhand der Waxingstudios!

Naja, jetzt komme ich lieber erst mal auf den Boden der Tatsachen zurück, zum kaputten Schiff, das derzeit komplett auseinandergenommen in Pangkor liegt und zu dem wir morgen zurückfahren, obwohl es derzeit keinen Platz für uns bietet, zu der ewig langen Warte- und Reparaturzeit, da die versendeten Ersatzteile mal wieder irgendwo verschollen sind und den ewig heißen Tagen mit gewittrig-durchwachten Nächten. Da kommen mir ja vielleicht auch wieder tolle Ideen…

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Kommentare: 2
  • #1

    Burgi Strobl (Sonntag, 02 Dezember 2018 16:13)

    Subskribiere das erwähnte Buch schon mal 10fach. Weiter so!

  • #2

    Barbara (Freitag, 07 Dezember 2018 13:17)

    Danke für die Karte! Das Postamtsuchen lohnt sich und ich will auch Bücher! Und das Yachtjournal 3/19. Ob es das in Passau gibt?