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Barbaras Geburtstagsblog

Liebe Barbara, 

als unsere beste Kommentatorin bekommst du einen eigenen Segelboot zum Geburtstag - da wir es aufgrund der bösen Zeitumstellung ja leider nicht mehr geschafft haben anzurufen. 

Einen Segelblog mit vielen schönen Landschaftsbildern und wenig Abenteuer  - so wie Du es lieber magst.

Wir sind endlich weg aus Pangkor. Aus der heißen Betonmarina, sind nach drei ganzen Wochen, die uns schon sehr lang wurden, ins kühle (28 Grad) weite Meer gestochen. Es war wunderbar. Unsere Nächste haben wir mit den Kiwis vor Anker verbracht. Vor winzigen, einsamen Stränden, die wir mit Fischottern, wilden Affen und Schweinen teilten. Wir haben Feuer gemacht und die Kinder sind auf Erkundungstour gegangen. Haben verlassene Häuser und Wolfsspuren entdeckt. Glauben sie zumindest. Das mit den Häusern, glaube ich auch. 

Da wir nun wieder über dem fünften Breitengrad sind, fängt auch langsam der Wind wieder an und wir könnten Segeln. Schnell und wild, frei und herrlich. Bei solchen Fahrten möchten wir gerne noch weiter bis Europa segeln.

Noch immer ohne elektronische Geräte an Bord fühlen wir uns zeitversetzt und denken, alles sei möglich. Naja, zumindest ein weiteres Amerika entdecken oder so was.

Wir haben uns Zeit gelassen für diese 140 Meilen, die wir leicht an einem Tag hätten schaffen können, weil wir das Unterwegssein wieder so genossen haben. Mal 16 Meilen, mal 80 während der Sonnenstunden, je nach Wind und Laune. 

Jetzt sind wir in Langkawi. Um uns herum Hornbills, diese verrückten Vögel mit dem Horn auf der Nase und unterschiedliche Affenarten. Muss dringend rausfinden, wie diese mit den weißen Ringen um die Augen heißen. 

Und am 27.12. bekomme auch ich ein Geschenk - ich fahre mit einer Freundin für eine Woche nach Thailand. Urlaub vom Urlaub sozusagen. Aber ohne Kinder, ohne Mann. 

Ich muss hier dann morgens mit der Fähre nach Satun, Thailand fahren, dort in einer völlig neuen Sprache und einer Schrift, die ich nicht lesen kann, ein Auto mieten - leider ist die Stadt so klein, dass es dort keine großen internationalen Autovermietungen gibt, das heißt ich fahre dorthin, suche jemanden der bereit ist, mir ein Auto zu geben und fahre alleine 300 Kilometer im Linksverkehr in den Norden. Irgendwo im Dschungel haben Maja und ich eine Hütte gemietet. Fern ab von Tourismus und Stränden. Über Sylvester sind wir dann auf einer Insel. Diesmal in Baumhäusern und werden dem neuen Jahr von der Ferne - und nur noch sechs Stunden vor Euch - entgegenblicken. 

Die Kinder und Peter wohnen in der Zwischenzeit in einem kleinen Häuschen, da Philocat herausgehoben wird und wieder unserer Zeit gemäß ausgestattet, mit VHF und AIS, Radar und Echomax, Tiefenmesser und Windanzeiger. Mit Dichtungen für Saildrives, die schon lange undicht sind und wir entsprechen immer Salzwasser im Motoröl haben. 

Und weil das Dein Geburtstagsblog ist, erkläre ich diesmal auch was das alles ist:

VHF ist „Very high frequency“, ein Funkgerät, das uns zur Kommunikation mit anderen Schiffen dient - Kanal 16 ist der internationale calling channel, also wenn uns ein Schiff entgegenkommt, von dem ich mir nicht sicher bin, dass es mich auch sieht, rufe ich „Motorvessel, motorvessel, motorvessel in front of me. This is Philocat Ena, sailing vessel. Can you see me? Can we go port port? over“

Das bedeutet dann, dass wir mit unseren linken Seiten aneinander vorbeifahren. Selbst die Kinder können diese einfachen Funksprüche schon.

Oder, wenn ich in Seenot bin, brauche ich dieses Funkgerät um Schiffe in meiner Umgebung (bis 20 Meilen) auf mich aufmerksam zu machen. Mayday, wäre der entsprechende Ruf, lustigerweise aus dem französischen abgeleitet "m'aider - Helfen Sie mir! ". Dies war zum Glück noch nie der Fall.

Ein AIS ist weniger bekannt, doch ein Wunderwerk der Technik. Automated Indentification System mit Namen wurde es erst vor wenigen Jahren eingeführt, 10-15 ca., um Schiffe über ihre gegenseitige Anwesenheit, ihren Namen, Kurs und Position zu informieren. Das AIS kann anzeigen, ob der „Status gefährlich“ ist oder nicht, Länge, Zielhafen und Herkunftsland. Das ist neben praktisch auch ziemlich spannend. Wir schauen immer, wie groß die Schiffe sind, die uns begegnen - Rekord sind 329 Meter!! - woher sie kommen und wohin sie fahren. Auch schauen wir, sie sie heißen, denn dann kann man sie direkt anfunken. Wenn es deutsche Schiffe sind, plaudern wir auch immer so ein bisschen über das Leben - wobei sie zugegebenermaßen äußerst selten deutsche Kapitäne haben.

Bei den Kindern ist „Status gefährlich“ ein gängiges Adjektiv geworden und das Schiffe ausspionieren ein Sport. Für uns ist es eine Notwendigkeit, den viele Länder darf man ohne funktionierendes AIS gar nicht bereisen - Big brother und so.

Radar (Radio detection and ranging) zeigt Hindernisse, auch Schiffe und Unwetter, auf dem Wasser an und der Echomax ist eine Art Spielzeug, wenn wir ihn einschalten, wird unser Radarsignal verdoppelt, das heißt entgegenkommende Schiffe denken wir sind ein Frachter und sind eher bereit auszuweichen als bei einem Leichtbootsegler. 

Saildrives sind diejenigen Elemente, die Motor mit Schiffsschraube verbinden und ihre Zusammenarbeit ermöglichen. Sie gehen durch den Rumpf, entsprechend sind undichte Stellen hier eher ungünstig. 

 

Liebe Barbara, ewig könnte ich noch weiterschreiben, so viel weiß ich schon und kann ich schon, dabei bin ich gerade erst vierzig. Wieviel muss es bei dir sein, mit deinen was, 56? Jahren? Herzlichen Glückwunsch, großartig, älter zu werden, weiser, schöner  - wenn auch nicht schneller. 

Sei herzlichst von uns allen, vor allem von Pius, Deinem weltumsegelnden Patensohn, umarmt. 

Hast Du wieder Deine sagenumwobene Party gefeiert? Mit Glasbläsern und Baronen und der tanzenden 94jährigen Mutter im Zentrum? Wir wären gern dabei gewesen.

 

Liebe Tante Barbara, 

ich wünsche Dir alles Gute zum Geburtstag. ich vermisse dich. 

Dein Pius

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Montag, 07 Januar 2019 19:24)

    So ein schöner Geburtstagsblog - oder -tag oder so! Vielen lieben Dank auch dafür, dass ich wieder mehr Besserwisserin sein darf! Ja, natürlich werde ich immer weiser - bei einer solchen Nichte ja auch ganz normal!
    Ja, wir haben wieder groß gefeiert: mit diesmal sieben Ärzten, einem Baron, vielen Musikfreunden, nein, der Glaskünstler war nicht dabei, aber dafür reiste der mit uns nach Prag! und es war wie immer sehr schön - aber ihr habt natürlich gefehlt!
    Der Echomax gefällt mir sehr gut!
    Übrigens bin ich erst 53 geworden, also noch nicht so weise, wie Du glaubst und Mama ist wie immer 40 Jahre älter als ich , also 93 und war leider nicht dabei. Es ist ihr zuviel. Schade, aber muss man akzeptieren.
    Habt Dank für alle Eure so spannenden Berichte und es ist ihm sehr wichtig, dass ich auch von Pankraz grüße! Er fragt oft nach Euch und die letzten vier Wochen konnte ich gar nicht Auskunft geben...
    Aber jetzt schaue ich wieder öfter nach!
    Alles Liebe Euch im Jahre 2019 ! Mal schauen , was es bringt.....
    Seid herzlich umarmt von Eurer Tante Barbara (und dem Pankraz!)

  • #2

    Barbara (Montag, 07 Januar 2019 19:24)

    Ahh - Geburtstagstag! Schönes Wort! Mit Echomax! Haha!!