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Transition Time

1970 wurde in der kognitiven Neurowissenschaft ein Experiment von Blakemore und Cooper durchgeführt, welches eindrucksvoll zeigte, dass die orientierungsspezifischen Neuronen nicht vollständig ausgebildet werden, wenn, in diesem Fall Katzen, in einem eingeschränkten Umfeld aufwuchsen. (Genauer nachzulesen bei F. Rösler: Psychophysiologie der Kognition, S.147ff)

An dieses Experiment musste ich denken, als wir heute vom Schiff in die Wohnung umzogen.

Frida lief nicht nur vor eine Glastür und stieß sich ordentlich den Kopf, sie schätzte auch länge des Gangs und Geschwindigkeit völlig falsch ein und rannte in einen Karton, was zu tiefen Schürfenden führte. All das geschah in der ersten Stunde des Einzugs. Und wir dachten immer, man müsse an Bord besonders gut auf die Kinder aufpassen...

Ja, der Abschied war traurig. Wir verbrachten zu 15. noch eine Lagerfeuerabend auf einer einsamen Insel, alle Kinderboote sind gekommen, wir haben Mais und Würstchen, Feuerwerk und Fotos gemacht, und wir haben ein vorerst letztes Mal die Sonne hinter unserem Schiff versinken gesehen. Ja, Burgi, Abschied tut weh! Veränderung ist nicht immer positiv aber es hilft die Perspektive zu wechseln. 

Bisher dachten wir, unser Schiff hätte wenig Stauraum und wir würden uns sehr einschränken. Jetzt wissen wir: Das stimmt nicht. Die Lebensmittelvorräte, die wir heute von Bord gesammelt haben, hätten noch bis ins Mittelmeer gereicht, möglicherweise sogar noch weiter bis in die Karibik. Die Küche in der Wohnung bringt nicht einen Bruchteil unserer Dosen unter. 

Wohntechnisch haben wir nun absurd viel Platz. Schlafzimmer hätten wir vier, Badezimmer fünf - faktisch nutzen wir zwei. Die Kinder in einem Zimmer, wir in dem anderen. 

Was toll ist? Die riesigen Kleiderschränke. Bisher hatte jeder von uns ein 40x40 großes Fach. Dort mussten man seine wenigen Dinge meist erfühlen, da es schwer einsichtig war. Oft feucht, fast immer leicht schimmelig. Boatsmell eben. jetzt ist mein! Nur mein! Kleiderschrank vier Meter lang und zwei Meter hoch. Jedes meiner Kleidungsstücke kann in eine eigenen Fach liegen und wird sogar beleuchtet. Ich stelle mich gerne davor und schaue mir diese prachtvolle Ordnung an!

Außerdem toll ist eine Waschmaschine mit echt warmen Wasser und 1200 Umdrehungen - wow! Die Sachen werden fast wieder sauber. 

Eine Spülmaschine - unglaublich. So unglaublich, dass wir erstmal noch weiter mit der Hand abwaschen. Man muss isch erst wieder gewöhnen an so was. Duschen sind super, Badewannen finde ich persönlich übertrieben, zumal in Phuket auch totale Wasserknappheit herrscht. Klimaanlagen steh ich auch nicht so drauf, ich habe meinen Ventilator mitgenommen. 

Doch einen unschlagbaren Vorteil hat das Landleben - ja, nur genau einen! Eine Postadresse!

Aquaminium, 66/11 Royal Phuket Marina, Moo 2, Threpkrasattri Road, Koh Maew, Muang, Phuket, Thailand

Ihr alle dürft mir nun Postkarten schreiben. 

Am Montag geht die Schule los - doch damit wir uns nicht ganz so alleine fühlen kommen die anderen Kidboats nächste Woche alle noch mal in die Marina. 

Ja, das Landlubberleben geht los. Wie schön, war's doch auf dem Wasser! Mal sehen, ob wir ohne schaukeln überhaupt noch schlafen können...

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Klaus (Donnerstag, 14 Februar 2019 15:53)

    Hi Frisi,

    kannst du eine Anschrift mal so aufschreiben wie das dann auf einer Postkarte stehen muss?

    Danke schon mal

    Klaus